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Deutsche Premiumweine auf dem Prüfstand in Würzburg

Berichte von Verkostungen mit Weinen aus mehreren Ländern/Regionen (sonst bitte im Länderforum einstellen)
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weinaffe

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Deutsche Premiumweine auf dem Prüfstand in Würzburg

BeitragDi 5. Apr 2022, 15:25

Hallo zusammen,

letzten Freitag beschäftigten wir uns im Rahmen der VHS-Weinseminare mit dem Thema "Deutsche Premiumweine", die zumindest teilweise zur Qualitätsüberprüfung mit vergleichbaren Premiumweinen aus dem Ausland in die Gläser kamen. Es wurde wie immer "blind" verkostet mit anschließender Auflösung nach jedem Wein bzw. nach jedem Vergleichspaar. Abgesehen von den deutschen Weinen, die für sich verkostet wurden, herrschte bei der Zuordnung "deutsch oder ausländisch" eine große Unsicherheit, was sicherlich der vergleichbaren Qualität sowie der teilweise ähnlichen Stilistik geschuldet war.
Es standen wie immer 15 Weine auf dem Trinkplan (2 Schaumweine, 7 Weißweine und 6 Rotweine), wobei leider 1 Weinsolist korkbeeinflusst und daher nur sehr eingeschränkt beurteilbar war.

Doch nun zu den Weinen:

Als erstes stand ein ultimativer und mutiger Vergleich an, den ich vor 20 Jahren noch nicht ernsthaft in Betracht gezogen hätte, nämlich der Vergleich Winzer-Champagner gegen Winzersekt.
Für eine möglichst große Vergleichbarkeit wurden zwei Vertreter herausgesucht, die zu 100% aus derselben Rebsorte und aus demselben Jahrgang stammen, ohne Dosage abgefüllt wurden und ein vergleichbar langes Hefelager hinter sich gebracht haben.

Wein Nr. 1 und auch Wein Nr. 2 zeigten schon optisch eine feine Perlage, die aufgrund des 5 bzw. 6 jährigen Hefelagers auch zu erwarten war. Wein Nr.1 war farblich einen kleinen Tick goldener, was aber möglicherweise auch auf das frühere Degorgierdatum (2020 zu November 2021) zurückzuführen war. Wein Nr. 1 wirkte in der Nase etwas cremiger, während Wein Nr. 2 etwas straighter und knackiger wirkte.
Wein Nr. 1 auf der Zunge komplett trocken, aber sehr cremig und ausgeglichen mit balancierter Säure und guter Länge (Typ Menuewein), während Wein Nr. 2 viel direkter, knackiger, aber auch sehr balanciert und fein auftrat (eher der Aperitif-Typ). Beide makellos mit hohem Trinkfluss und einiger Komplexität. Die Zuordnung war hier extrem schwierig, da beide ohne wenn und aber auch aus der Champagne stammen könnten. Auch qualitativ bewegten sich beide auf absoluter Augenhöhe, lediglich preislich bestand ein großer Unterschied. Für den Preis des Champagners hätte man gut 2 Flaschen des deutschen Schäumers kaufen können. Beide Schaumweine waren zu 100% aus Chardonnay.

Schaumwein Nr. 1 war:
2013er "Terre de Vertus" 1er Cru non dose (Larmandier-Bernier, Vertus) -Champagne-

Schaumwein Nr. 2 war:
2013er Blanc de Blancs Brut Nature (Bernhard Huber, Malterdingen) -Baden-

Der stilistische Hauptunterschied zwischen beiden Schäumern lag wahrscheinlich im Ausbau der Grundweine: Nr. 1 mit Batonnage und Malo, Wein Nr. 2 ohne, beide Grundweine aber im Holz ausgebaut.

Fazit: Der Huber-Sekt kann qualitativ mit deutlich teureren Winzer-Champagnern locker mithalten und ist preislich ein echtes Schnäppchen (ca. 25 EURO im Handel). Das ist durchaus verwunderlich, da Huber bei seinen Rot-und auch Weissweinen ansonsten sehr selbstbewußte Preise aufruft.

Weiter ging es mit zwei sortenreinen Solisten, die die unterschiedlichen Stilistiken einer Rebsorte im identischen Anbaugebiet aufzeigen sollten:

2008er "Erdrauch" Silvaner QW trocken (Landart, Mainstockheim) -Franken-
Wer von diesem "fast" Kultwein noch etwas im Keller hat, darf sich jetzt freuen. Sattes Goldgelb, in der Nase aber noch überaus lebendig, Quitte, reifer Apfel, ein Hauch Holz, dezente Kräuternote, perfekter Reifezustand. Am Gaumen wunderbar ausgewogen, zart schmelzig, fast samtige Säure, die aber zusammen mit einem Hauch Gerbstoff einen feinen Grip abgibt, kraftvoll, aber keinesfalls üppig, langer harmonischer Nachklang. So macht Silvaner Spass und zeigt, was die Sorte auch in puncto Langlebigkeit leisten kann.

2017er Würzburger Stein-Harfe Silvaner GG (Bürgerspital Würzburg) -Franken-
stammt aus der nur 8 ha großen Monopol-Lage im Würzburger Stein mit sehr altem Rebbestand. Noch sehr jugendliches Gelb mit grünlichen Reflexen, sehr feine Nase nach gelbem Steinobst, etwas Birne und kräutrigen Akzenten. Am Gaumen sehr elegant, die 13,5 Vol% sind überhaupt nicht spürbar, zartgliedrige Säure, voll auf der eleganten Seite, aber durchaus mit Fruchttiefe und enormer Länge. Dieses GG ist noch etwas zu jung und wird sich in den nächsten Jahren bestimmt noch abrunden und Komplexität dazugewinnen. Ein weder zu traditionell noch zu modern gehaltener Silvaner mit Potential und Klasse. Für 26 EURO ab Weingut sehr fair bepreist.

Nun steht wieder der nächste 2-er-Vergleich an, nämlich deutscher gegen ausländischen Riesling:

Wein Nr. 5 und Wein Nr. 6 strahlen im zarten Gelbgold, was auf eine gewisse Reifung schliessen lässt. Wein Nr. 5 sehr reintönig,absolut trocken, Weingartenpfirsich, Marille, etwas Zitrus, Hauch Vanille, durchaus kraftvoll (13,5 Vol%), sehr ausgewogen mit stimmiger Säure, klarer Sortentyp mit Kraft, Schmelz, aber auch der nötigen Frische. Harmonisch und lang. Wein Nr. 6 in der Nase mit unverkennbarer, aber angenehmer Petrolnote, steinige Akzente, zarte Apfel-und Zitrus-Aromatk, durchaus komplex. Am Gaumen nicht ganz trocken (geschätzte 5-7 gr. RZ), was aber dem Wein durchaus gut steht, hintergründige, aber stabile Säure, sehr saftig, die Frucht (Zitrus, Quitte, Mirabelle) steht etwas hinter der steinigen Mineralität zurück,dezent Karamell (wahrscheinlich Malo durchlaufen), sehr ausgewogen und spannend mit ebenfalls guter Länge.Nur angenehme 12,5 Vol% laut Etikett.

Wein Nr. 5 war:
2015er Birkweiler Kastanienbusch Riesling QW trocken (Sven Klundt, Mörzheim) -Pfalz-
ein typ. Pfälzer aus der Renommierlage der Südpfalz, der mit nicht wenigen GGs durchaus mithalten kann.

Wein Nr. 6 war:
2016er Riesling sec "Grafenreben" Cru d'Alsace a.c. (Bott-Geyl, Beblenheim) -Alsace-
ein im besten Sinne typischer Elsässer aus diesem seit 2002 bio-dynamisch arbeitenden Musterbetrieb.

Auch hier, trotz des kleinen Jahrgangsunterschiedes, ein Vergleich auf qualitativer Augenhöhe mit aber deutlich unterschiedlichen Stilistiken, trotz der relativ räumlichen Nähe. Der Elsässer wurde hier überwiegend erkannt.

Die restlichen 3 Weißwein-Solisten sowie die 6 Roten folgen in Kürze !

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weinaffe

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Re: Deutsche Premiumweine auf dem Prüfstand in Würzburg

BeitragDo 7. Apr 2022, 18:54

.... und weiter geht es mit den fehlenden 3 Weißweinsolisten:

2017er Binger Scharlachberg Riesling QW trocken (Bischel, Appenheim) -Rheinhessen-
optisch ein zartes Gelbgold mit grünlichen Reflexen, sehr feine, hintergründige Nase nach reifem Apfel, Hauch Aprikose, sehr mineralischer Ansatz vom eisenhaltigen Quarzitboden, am Gaumen komplett trocken, steinige Mineralität, daher entfaltet sich langsam eine zarte Gelbfrucht, laserartige Säure, die aber nicht spitz oder unharmonisch wirkt,etwas Steinobst und Grapefruit, ganz zarter Gerbstoff, besitzt Kraft, Finesse und Länge, ist aber noch um einiges zu jung,obwohl er seine Klasse schon jetzt andeutet. Das ist in jedem Falle sehr gute GG-Qualität. Seit 2019 ist dieses Weingut auch zu Recht in den VDP aufgenommen worden. Ist seine 24 EURO (ab Weingut) sogar mehr als wert.

2010er Monzinger Halenberg Riesling GG (Emrich-Schönleber, Monzingen) -Nahe-
Der Halenberg von E-S ist mittlerweile auch international ein Blue-Chip für äusserst hochwertigen, deutschen Riesling.
Leider hatte unsere Flasche einen Korkschaden, der mit seiner dumpf-schimmligen Art den Wein und vor allem die Fruchtentfaltung stark beeinträchtigte. Trotzdem konnte man die Seidigkeit und Feinheit und den an sich perfekten Reifezustand dieses Weines durchaus erahnen. Jammerschade! Es sollte aber an diesem Abend der einzige Ausfall bleiben.

2020er Achkarrer Schloßberg Grauer Burgunder GG (Michel, Achkarren) -Baden-
Grauer Burgunder ist normalerweise nicht unbedingt meine Lieblings-Rebsorte, wenn er aber so gekonnt vinifiziert wurde, muss man diesen Wein einfach lieben: jugendliches Weizengelb mit grünen Reflexen, ultrafeine Nase mit ganz zartem Neuholzeinsatz,Agrumen, etwas Quitte, Hauch Tabak und Vanille, am Gaumen trocken mit passendem Säurekorsett,zarte Gelbfrucht (etwas Birne, Quitte), vermischt mit würzigen Noten, sehr harmonisch und finessenreich, macht dem "Bourgogne-Original" stilistisch durchaus Konkurrenz, sehr fruchtdicht, langer, fruchtig-würziger Abgang. Auch wenn der Wein jetzt schon strahlt, würde ich ihn noch ein paar Jahre im Keller weiterreifen lassen. Das könnte sich lohnen. Tolles GG zum sehr vernünftigen Ab-Hof-Preis (25 EURO).

Die noch fehlenden 6 Rotweine (2 Vergleichspaare + 2 Solisten) folgen in Kürze!

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weinaffe

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Re: Deutsche Premiumweine auf dem Prüfstand in Würzburg

BeitragFr 8. Apr 2022, 14:39

... und weiter geht es mit den Rotweinen:

zunächst wieder ein 2-er Vergleich: identische Rebsorte, gleicher Jahrgang, beide Weine je 13 Vol%, aber nur einer kommt aus deutschen Landen!

Wein Nr. 10 hat ein leicht durchscheinendes Rubinrot, eine eher "kühle" Nase, Granatapfel, Brombeere, etwas Cassis, vermischt mit zart ätherischen Noten, ganz dezente Holzunterstützung, äusserst mundwässernd, am Gaumen komplett trocken, saftige, lebendige Säure, sehr feinkörniges Tannin, ganz dezente Extraktsüsse, dunkle Beerenfrucht mit etwas Zedernholz und einer Spur Tabak, sehr saftig, mittelgewichtiger, sehr ausgewogener Wein mit gewisser Finesse, gute Länge. Sehr feiner Sortenvertreter.

Wein Nr. 11 eine Spur tiefer in der Farbe, auch hier eine angenehm kühle Stilistik, nichts Marmeladiges oder Schwülstiges, feine Dunkelfrucht (Brombeere, Kirsche, Granatapfel) mit etwas Zedernholz, schon in der Nase perfekte Harmonie. Am Gaumen trocken mit etwas mehr Extraktsüsse als der Vorgänger, passende Säure, butterweiches, extrem feinkörniges Tannin, nur mittelgewichtig, dunkler Beerenmix, zarte Ätherik, eine Spur dichter als der Vorgänger, Holz ganz im Hintergrund, durchaus langer, harmonischer Abgang.

Ein sehr interessanter Vergleich: Wein Nr. 10 mehr auf der frischen-ätherischen Seite, aber durchaus mit Extrakt, Wein Nr. 11 ist etwas eleganter und eine Spur fruchtdichter. Unterschiedliche Stilistiken, aber beide gefallen mir sehr gut. Vielleicht eine leichte Präferenz für den Wein Nr. 11, aber qualitativ sind beide Weine doch relativ eng beieinander. Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass man -jeweils ab Weingut- 3 Flaschen von Wein Nr. 10 für den Preis 1 Flasche von Wein Nr. 11 erhält !!

Es waren folgende Weine im Glas:'

10.) 2018er Zemendorfer Steingraben "Salvatore" Blaufränkisch QW (Winzerei,Großhöfelein) -Burgenland-
Weinprojekt zweier Quereinsteiger, die wohl keinerlei Gewinnabsichten haben: Einzellage (Pflanzjahr 1927 !), fast alle "Oldtimer-Stöcke" sind dort noch produktiv, alter Blaufränkisch-Klon, den es in dieser Form heute kaum noch gibt, mit sehr kleinen Beeren, die stets einen nicht so farbtiefen, aber sehr aromatischen Blaufränker ergeben, extrem handwerkliche Produktion, eine solche Trouvaille kostet ab Weingut lächerliche 9 EURO !!! Ein besseres Preis-Leistungsverhältnis kann ich mir in der ganzen Weinwelt kaum vorstellen.

11.) 2018er Fellbacher Lämmler Lemberger GG (Markus Heid, Fellbach) -Württemberg-
Für mich stets einer der elegantesten Lemberger-GG im Ländle. Ab Weingut durchaus berechtigte 28 EURO.

Jetzt kommt wieder ein Solist:

2009er "Schulen" Spätburgunder Landwein tr. (Ziereisen, Efringen-Kirchen) -Baden-
über das Weingut braucht man nicht viel Worte zu verlieren, da es bekanntermaßen zu den Top-Pinot-Weingütern in Deutschland zu zählen ist. Dass diese Weine auch gut reifen können, zeigt der Wein ganz klar: leicht durchscheinendes Rubinrot mit einem Hauch Ziegelrot, in der Nase aber noch absolut frisch, klare, sehr feine Kirschfrucht mit Waldbeeren und einem Hauch Himbeere, sehr sortentypisch, dezente Waldpilznoten, Unterholz, jetzt wunderbar gereift. Am Gaumen absolut trocken, noch etwas körniges Resttannin, saftige Säure, sehr lebendig, feine Ätherik, auch hier wiederum Kirsche, Him- und etwas Erdbeere, dezent Tabak, schöne Würze, lange Rückaromatik. Der Wein bietet im Vergleich zu vielen "Original"- Burgundern sehr viel Wein fürs Geld (damals 19 EURO, neuere Jahrgänge auch noch bezahlbar). Jetzt und in den nächsten paar Jahren mit viel Genuss zu trinken.

Die letzten 3 Weine (1 Solist und 1 Vergleichspaar) folgen in Kürze !

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weinaffe

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Re: Deutsche Premiumweine auf dem Prüfstand in Würzburg

BeitragSa 9. Apr 2022, 11:46

... und weiter geht es mit den letzten 3 Rotweinen:

Zunächst folgender Solist:

2018er Schwarzriesling "R" QW trocken (Seeger, Leimen) -Baden-
18 Monate Barriqueausbau, 13,5 Vol%.
Was man aus dieser etwas unterschätzten Rebsorte alles herausholen kann, zeigt neben Konrad Schlör auch dieser Erzeuger: mittelkräftiges Granatrot, sehr feine, elegante Nase nach roten Beeren, vor allem Brombeere mit etwas Kirsche, gefühlvoller Holzeinsatz mit dezent rauchigen Nuancen, sehr viel Finesse, erinnert mich sehr stark an einen gelungenen Frühburgunder, am Gaumen feine Extraktsüsse, butterweiches, körniges Tannin, zarte Säure, hat durchaus Kraft und Fruchtdichte, aber bleibt insgesamt auf der eleganten Seite, wunderbar ausgewogen und in sich ruhend, macht jetzt schon viel Spass, kann aber noch ein paar Jahre reifen, glasklarer, fruchtig-würziger Abgang.
Toller Schwarzriesling, der aber mit über 30 EURO auch seinen Preis hat.

Zum Abschluss musste natürlich noch der ultimative Pinot-Vergleich kommen: das "Original" aus der Bourgogne gegen einen Premium-Spätburgunder aus deutschen Landen !

Wein Nr. 14 hat ein dezent durchscheinendes Rubinrot, zunächst eine etwas zurückhaltende Nase, mit etwas Luft kommen dann neben feiner Herzkirsche und Himbeere auch blumige Noten dazu, am Gaumen trocken mit noch gebremster Sucrosite, eingehüllt in ein feines Tanningerüst, das für Struktur sorgt, saftige Säure, mittelgewichtig, wiederum reife rote Früchte mit feiner Würze, durchaus dicht, der Wein hat noch nicht ganz die Handbremse gelöst, es ist aber alles vorhanden, um in ein paar Jahren eine tolle Flasche abzugeben.

Wein Nr. 15 ist ein Tick heller in der Optik und "singt" jetzt richtig, extrem feine, bezaubernde Pinot-Nase mit duftigen Himbeeren, saftigen Kirschen, florale Noten, etwas sous bois, macht schon in der Nase einen Riesen Spass.
Am Gaumen deutliche Extraktsüsse, gut strukturierende Säure, hauchzartes Tannin, das dennoch genügend Struktur gibt,sehr elegante Dunkelfrucht mit hellfruchtigen Akzenten, ein Hauch Rose, Würze, alles sehr fein verwoben, hocharomatischer Abgang. Auch wenn dieser Pinot jetzt schon unwiderstehlich ist, wird er sicherlich auch gut weiterreifen können.

Auch hier war die Zuordnung Deutsch oder Burgund verdammt schwierig, weil beide Weine durchaus als "Original" durchgehen könnten. Momentan ist Wein Nr. 15 der elegantere und feinere Wein, ich vermute aber, dass der etwas zurückhaltendere Wein Nr. 14 in ein paar Jahren vielleicht sogar die Nase vorn haben könnte. Wer weiss?
Das war jedenfalls ein spannender Vergleich auf Augenhöhe (auch preislich).

Die Auflösung:

14.) 2016er Volnay "Les Champans" 1er Cru (Joseph Voillot, Volnay)-Bourgogne-
Die Lage Champans erzeugt meist mit die feinsten und duftigsten Volnays. Alle Anlagen sind hier vorhanden, der Wein braucht einfach noch ein paar Jahre Reife. Im übrigen ein sehr empfehlenswerter Produzent, dessen Preise für burgundische Verhältnisse noch einigermaßen auf dem Teppich bleiben.

15.) 2016er Bürgstadter Centgrafenberg Spätburgunder GG (Paul Fürst, Bürgstadt) -Franken-
Nichts gegen Huber, Knipser, Becker und andere Pinot-Könner, Paul und Sebastian Fürst sind für mich stets die Erzeuger, die aufgrund ihrer finessenreichen Weine am nächsten am "Original" dran sind, ohne die Bourgogne-Crus zu kopieren.
Nicht umsonst sind diese Weine sehr schnell ausverkauft und im Handel -zumindest bei den Top-Rotweinen- nicht so einfach zu bekommen.

Interessante, lehrreiche Probe, nettes, interessiertes Publikum. Was will man mehr!!

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UlliB

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Re: Deutsche Premiumweine auf dem Prüfstand in Würzburg

BeitragSa 9. Apr 2022, 15:53

Danke für die wie immer interessanten Notizen. Zwei Anmerkungen:
weinaffe hat geschrieben:10.) 2018er Zemendorfer Steingraben "Salvatore" Blaufränkisch QW (Winzerei,Großhöfelein) -Burgenland-

Der Ort heißt Großhöflein, ohne e vor dem l.
Einzellage (Pflanzjahr 1927 !), fast alle "Oldtimer-Stöcke" sind dort noch produktiv, alter Blaufränkisch-Klon, den es in dieser Form heute kaum noch gibt,[...]

Von einem Klon kann man bei einem 1927 bestockten Weinberg nicht reden. Weder wurde der Begriff damals im Weinbau verwendet, noch wurden damals Klone (= sämtliche Reben stammen von einer einzigen "Mutterpflanze" ab) zur Bestockung verwendet. Die Reben werden, wie damals üblich und mittlerweile wieder stark im Kommen, aus einer Massenselektion eines älteren Weinbergs stammen.

Gruß
Ulli
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bordeauxlover

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Re: Deutsche Premiumweine auf dem Prüfstand in Würzburg

BeitragDo 14. Apr 2022, 19:09

Hallo Bodo,

auch von mir herzlichen Dank für die wie immer spannenden Weinnotizen! Da ich bei animierenden Notizen von Dir beim Kauf noch nie enttäuscht war, habe ich mir letztes Wochenende 6 Flaschen Salvatore und noch 6 gemischte andere Rote bei der Winzerei bestellt, die heute angekommen sind. Ich konnte mich gar nicht beherrschen und habe den Salvaotore gerade im Glas und kann Deine Notiz sehr-gut nachvollziehen: sehr viel Wein fürs Geld! Nur: Wo hast Du den denn aus 2018 her? Ich habe den aus 2015 im Glas und habe einen anderen Jahrgang bei der Winzerei auch nicht gefunden.

Schöne Grüße
Armin
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weinaffe

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Re: Deutsche Premiumweine auf dem Prüfstand in Würzburg

BeitragFr 15. Apr 2022, 14:24

bordeauxlover hat geschrieben:Hallo Bodo,

auch von mir herzlichen Dank für die wie immer spannenden Weinnotizen! Da ich bei animierenden Notizen von Dir beim Kauf noch nie enttäuscht war, habe ich mir letztes Wochenende 6 Flaschen Salvatore und noch 6 gemischte andere Rote bei der Winzerei bestellt, die heute angekommen sind. Ich konnte mich gar nicht beherrschen und habe den Salvaotore gerade im Glas und kann Deine Notiz sehr-gut nachvollziehen: sehr viel Wein fürs Geld! Nur: Wo hast Du den denn aus 2018 her? Ich habe den aus 2015 im Glas und habe einen anderen Jahrgang bei der Winzerei auch nicht gefunden.

Schöne Grüße
Armin


Hallo Armin,

eigentlich hätte ich mir doch denken können, dass mein Loblied auf den Salvatore im Webshop der Winzerei Bestellungen nach sich ziehen könnte. Leider habe ich im Text den Hinweis vergessen, dass man statt des im Shop aufgeführten 2015er den dort leider noch nicht aufgeführten, aber schon seit Mitte 2021 abgefüllten 2018er -telefonisch- bestellen soll. Den Salvatore gibt es ohnehin nicht in jedem Jahr (2014, 2016 und 2017 wanderten in den einfachen Blaufränkisch); der 2015 genügte zwar den Ansprüchen der Weinmacher, war aber jahrgangsbedingt in einer etwas wärmeren und nicht ganz so präzisen und ätherisch-kräutrigen Stilistik gehalten wie der 2012er, der 2013er und jetzt aktuell der 2018er. Ich schätze halt besonders die Eleganz, Feinheit und Präzision eines Rotweines, daher würde ich den 2015er jetzt für mich als "schwächsten" der genannten Salvatore-Jahrgänge einstufen. Aus einem Telefonat mit Herrn Pairits weiss ich auch, dass man mit dem 2018er wieder sehr glücklich ist, da dieser Wein auch die angestrebte Stilistik der Winzerei bestens präsentiert. Mit dem Kauf des 2015er Salvatore hast Du aber sicher nichts falsch gemacht, da das immer noch ein roter Alltagswein auf sehr gutem Niveau zu einem verbraucherfreundlichen Preis ist. Bei Gelegenheit solltest Du aber mal den 2018er probieren ;), der mir doch ein ganzes Stück besser gefällt.
Die altruistische Ader der beiden Weinmacher- fernab jeglicher Gewinnmaximierung- zeigt sich exemplarisch darin, dass der 2018er Salvatore genauso "teuer" ist wie damals der 2012er.

LG
Bodo
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bordeauxlover

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Re: Deutsche Premiumweine auf dem Prüfstand in Würzburg

BeitragFr 15. Apr 2022, 18:14

Hallo Bodo,

herzlichen Dank für die ausführlichen Infos! Die nächste Bestellung bei der Winzerei kommt bestimmt. Den warmen Jahrgang schmecke ich übrigens dem 2015er gar nicht an. Der hat für mein Empfinden schon eine schöne frische Säure und ist jedenfalls kein bisschen fett oder breit und hat reichlich Substanz. Umso gespannter bin ich dann auf den 2018er. Danke nochmal für den jetzt nicht mehr ganz so geheimen „Geheimtipp“! Ich wünsche Dir noch ein schönes Osterwochenende - allen anderen natürlich auch!

Schöne Grüße
Armin
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EThC

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Re: Deutsche Premiumweine auf dem Prüfstand in Würzburg

BeitragFr 29. Apr 2022, 21:38

Ich war heute in Großhöflein bei der Winzerei und habe mich durch einen Großteil des Sortiments getrunken und mich dabei mit Hr. Pairits glänzend unterhalten. Ich hab dann auch den 15er Salvatore gegen den 18er probiert, wobei ich dem 15er nicht wirklich eine "Schwäche" andichten würde, aber Bodo hat schon recht, daß der 18er mit seinen derzeit auch noch etwas kantigen, organischen wie eisensalzigen bis sogar ganz leicht jodigen Noten der klarere und auch eigenständigere Wein ist. Kommt halt drauf an, ob und was es zum Essen dazu gibt. Mitgenommen hab ich beide, vom 18er allerdings mehr als vom 15er...

Harald Pairits bringt die Weine auch erst in den Verkauf, wenn sie seinen Vorstellungen entsprechen; was ihm noch nicht so gut gefällt, bleibt halt erst mal in seinem Keller liegen, da agiert er ziemlich unaufgeregt. Alles sehr slow, höchst sympathisch!
Viele Grüße
Erich

Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's
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was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.

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Olaf Nikolai

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Re: Deutsche Premiumweine auf dem Prüfstand in Würzburg

BeitragSa 30. Apr 2022, 12:50

Bin jetzt auch tatsächlich durch rund ein Drittel des Portfolios durch.
Mit dem 15er Salvatore kam ich nicht klar. Habe noch 2 Flaschen. Mal sehn. Vorerst definitiv kein Nachkauf. Die Weissweine fand ich bislang deutlich besser.....
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