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Piemont Verkostung

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stollinger

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Piemont Verkostung

BeitragMo 20. Dez 2021, 17:59

Hallo,

wir haben am Samstag eine Piemont-Verkostung gemacht. Alle Wein noch sehr jung (und vornehmlich aus dem Sortiment eines norddeutschen Händlers). Die Weine wurden blind verkostet und am nächsten Tag nachverkostet. Zur Einstimmung ein erster Flight mit leichteren Weinen aus 2019.

Dolcetto d'Alba - Falletto - Bruno Giacosa - 2019:

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Die Substanz kommt im Wesentlichen vom Alkohol, insg. finde ich das etwas dünn. Die Frucht ist leicht künstlich-dropsig; vielleicht ist der Wein noch zu jung, evtl. legt sich das noch.

Besser gefallen hat mir Cavallotto - Langhe Freisa - 2019:

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Frisch und anregend, wenig kompliziert, balanciert.

Brovia - Barbera D'Alba - Sori' Del Drago - 2019:

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Ich fand das gar nicht so schlecht, objektiv ist das aber wohl nicht besonders toll. Ich weiß nicht ob Kirschwasser in meiner Beschreibung wirklich passt. Ich habe da auch die grell-roten, künstlichen Kirschen aus der Dose, die gerne auf Schwarzwälder-Kirschtorte gemacht werden, vor meinem geistigen Auge. Günstigen Barbera gabs früher häufiger im Urlaub, hat einen positiven Erinnerungswert.

Ich fand die drei Weine recht einfach, besonders im Vergleich zu den nächsten Weinen wurde das noch mal deutlicher. Besonders für den aufgerufenen Preis keine Empfehlung für mich. Einfache, frische Rotweine gibt es anderswo besser für das halbe Geld.

Die letzten sechs Weine waren alles Nebbiolo. Das Niveau dieser Weine fand ich klasse, die Verkostung hat viel Spaß gemacht.

G. D. Vajra - Barolo Albe - 2016:

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Die Nase ist ausgewogen und interessant, gefällt mir sehr gut. Aktuell sind die Gerbstoffe sehr präsent, ich habe mich gefragt, ob auch etwas Rappen im Spiel ist. Der Alkohol ist gut eingebunden, die Substanz hat eine schöne Qualität.

Bel Colle - Barbaresco Pajorè - 2016:

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Hohe Dichte und viel Substanz, ohne zu ermüden; eine sehr gute Struktur. Der Wein hat eine klasse Balance. Aromatisch ist er weder in der Nase, noch im Mund sehr vielfältig, vielleicht fehlt es da an Komplexität für einen außergewöhnlichen Wein.

In der Gruppe ziemlich eindeutig der Sieger des Abends, vielleicht ein kleiner Vorteil, weil der Wein etwas zugänglicher, offener als andere war. Den Wein habe ich (wie wohl einige andere hier :) ) auf die Empfehlung von Harti und Bibbel gekauft, danke dafür - hat sich definiv gelohnt - dummerweise eine Einzelflasche. :(

Nervi Conterno - Gattinara - 2016:

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So richtig gefällt mir die leicht schwefelige Nase nicht, auch im Mund fehlt mir in den Aromen die Klarheit, ist so ein bisschen verwaschen; möglich, dass es auch hier am Schwefel liegt. Ob das jetzt ein Flaschenproblem ist, oder allgemein in diesem Jahrgang auftritt, kann ich nicht sagen. Gut möglich, dass es sich mit der Zeit gibt. Eine gewisse Wärme ist auch vorhanden, der Alkohol aber gut eingebunden. In der Gruppe von den Nebbiolo auch am schwächsten eingeschätzt.

Stilistisch am meisten unterschieden von den übrigen Weinen hat sich dieser.

Valfaccenda - Valmaggiore - Roero Rosso Riserva DOCG - 2016:

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Die Farbe verhältnismäßig kräftig, die Gerbstoffe geschliffen - Zeugnis für den gezielten Sauerstoffeinsatz im Ausbau. Sehr fruchtbetont und mit merklichem Toasting. Der Wein wirkt moderner als die anderen. In der Gruppe kam der Wein sehr gut an, hat was einnehmendes. Die Röstaromen sind nicht vordergründig, der Alkohol gut eingebunden; der Wein hat Qualität. Ich konnte nicht so viel mit dem Wein anfangen, zum einen ist mir die Frucht zu reif, zum anderen ist der Wein zu stark vom Ausbau geprägt. Herkunft und Rebsorte hier m.M. nach nur nachgeordnet zu finden.

Zufälligerweise befanden sich im letzten Flight die beiden Weine aus 2017.

Produttori del Barbaresco - Barbaresco - 2017:

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Nicht so einfach zu verkosten, die Gerbstoffe aktuell sehr präsent. Substanz ist vorhanden, aber auch als Alkohol zu merken und nicht mit der hohen geschmacklichen Dichte wie die 16er.

Trediberri - Barolo - 2017:

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Der Wein stammt zu 88% von jungen Reben (9-10 Jahre) aus La Morra Berri und zu 12% aus Capalot. In 2017 wurden 40% Ganztrauben aus Capalot verwendet, was zu einem Anteil von ca. 5% nicht entrappten Trauben in der Gesamtassemblage führen. Die malolaktische Gärung erfolgte im Stahltank. Auch hier die Substanz mit einem leichten Alkoholeindruck, wenn man drauf achtet, ist der Alkohol zu schmecken.

Die beiden 17er unterscheiden sich von den 16ern durch eine gewisse Wärme; die Frucht ist reifer und auch getrocknet. Die Substanz wirkt nicht so hochwertig, nicht so aromatisch-dicht und sie besitzen auch nicht so eine dichte, tiefe Strukrut. Die Säure ist weniger frisch. Schöne Weine sind es trotzdem.

Die Weine sind alle nocht sehr gerbstoffreich, etwas verschlossen und teilweise schwer zu verkosten. Manche hatten aus meiner subjektiven Einschätzung kleine Schwächen, aber nichts so gravierend, dass es sich nicht mit mehr Reife noch bessern könnte. In der Gruppe kamen der Vajra, der Valfaccenda und der Bel Colle am Besten an. Die Gerbstoffe sind häufig sehr pudrig und wirken bei mir eher am Zahnfleisch und unter den Lippen (als z.B. auf der Zunge) - ich assoziiere das mehr mit der Schale als mit den Kernen. Obwohl der starke mechanische Reiz auf die Dauer anstrengend ist, mag ich solche Gerbstoffe. Wenn sie, wie beim Valfaccenda fehlen, macht es für mich den Wein uninteressanter.

Grüße, Josef
Zuletzt geändert von stollinger am Di 21. Dez 2021, 10:49, insgesamt 2-mal geändert.
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UlliB

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Re: Piemont Verkostung

BeitragMo 20. Dez 2021, 18:26

stollinger hat geschrieben:Der Wein stammt zu 88% von jungen Reben (9-10 Jahre) aus La Morra und zu 12% aus Capalot.

Das ist ein wenig schräg... La Morra ist eine Gemeinde, Capalot aber eine Einzellage - und zwar eine Einzellage in der Gemeinde La Morra :lol:

Der Wein kommt also zu 100% aus der Gemeinde La Morra, zu 12% aus Capalot, und zu 88% aus irgend welchen anderen Lagen, zu denen man sich nicht äußert. Warum man nun ausgerechnet den Capalot-Anteil hervorhebt, erschließt sich mir nicht. Soweit ich weiß, ist Capalot nicht unbedingt eine Spitzenlage, die man prominent herausstellen müsste, zumal bei dem geringen Anteil.

Noch kurz zum ersten Wein: Dolcetto muss keine 17 Euro kosten, um ansprechend zu sein. Aber wenn man natürlich einen von einem der teuersten Erzeuger der ganzen Gegend haben möchte... ;)

Gruß
Ulli
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stollinger

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Re: Piemont Verkostung

BeitragMo 20. Dez 2021, 18:36

UlliB hat geschrieben:
stollinger hat geschrieben:Der Wein stammt zu 88% von jungen Reben (9-10 Jahre) aus La Morra und zu 12% aus Capalot.

Das ist ein wenig schräg... La Morra ist eine Gemeinde, Capalot aber eine Einzellage - und zwar eine Einzellage in der Gemeinde La Morra :lol:

Der Wein kommt also zu 100% aus der Gemeinde La Morra, zu 12% aus Capalot, und zu 88% aus irgend welchen anderen Lagen, zu denen man sich nicht äußert. Warum man nun ausgerechnet den Capalot-Anteil hervorhebt, erschließt sich mir nicht. Soweit ich weiß, ist Capalot nicht unbedingt eine Spitzenlage, die man prominent herausstellen müsste, zumal bei dem geringen Anteil.

Danke Ulli,

da habe ich was durcheinander gebracht. Ich habe gerade noch mal ins Datenblatt gesehen, daher habe ich das. Die jungen Reben stammen aus der Lage Berri, in der Gemeinde La Morra.

Grüße, Josef
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UlliB

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Re: Piemont Verkostung

BeitragMo 20. Dez 2021, 18:48

stollinger hat geschrieben:da habe ich was durcheinander gebracht. Ich habe gerade noch mal ins Datenblatt gesehen, daher habe ich das. Die jungen Reben stammen aus der Lage Berri, in der Gemeinde La Morra.

Ah, ok, so passt das. Also tatsächlich zu 100% aus La Morra und eine Cuvée aus zwei Lagen.

Berri ist ziemlich hoch gelegen, ganz im Westen der Gemeinde noch hinter Serradenari, eine etwas verstreute und eher kühle Lage (ich bin da vor ein paar Jahren mal durchgewandert). Kühle Lagen sollten in heißen Jahren wie 2017 Vorteile mit sich bringen, und tatsächlich gibt es im Barolo-Gebiet eine erkennbare Tendenz, bei Neuanlagen "nach oben" zu gehen. Das ist ja überall dort, wo es möglich ist, im Moment die generelle Richtung.

Gruß
Ulli

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