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Verkostung Spätburgunder - Pinot Noir

Berichte von Verkostungen mit Weinen aus mehreren Ländern/Regionen (sonst bitte im Länderforum einstellen)
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stollinger

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Verkostung Spätburgunder - Pinot Noir

BeitragSo 31. Jan 2021, 19:03

Hallo,

wir haben gestern eine Online-Blindverkostung von Spätburgundern aus Deutschland und Pinot Noir aus dem Burgund gemacht. Wir wussten vorher, welche Weine dabei sind und wir wussten, dass in jedem Flight ein Deutscher und ein Franzose dabei war.

Es ist in jedem Flight allen gelungen, die Weine ihrer Herkunft richtig zuzuordnen. Das war anscheinend bei den ausgesuchten Weinen nicht schwer.

Flight 1:

Domaine de la Pousse d'Or - Clos Tavannes - Santenay 1er Cru - 2005:

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Der wirkte noch sehr jung, wird wahrscheinlich auch noch zulegen. In der Nase schon sehr komplex und vielseitig, im Mund noch die Entwicklung zu erwarten. Hat mir klasse gefallen, eindeutiger Sieger gegen

Freiherr von Gleichenstein - Baron Philipp Spätburgunder Oberrotweiler Eichberg trocken - 2010:

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In der Gruppe durchaus ambivalente Meinungen zu dem Wein, ich konnte ihm sehr wenig abgewinnen. Überholzt, das Holz auch nicht besonders in seiner Qualität. Für 50€ m.M. nach eine ausgemachte Frechheit.

Flight 2:

Weingut Bercher - Burkheimer Feuerberg Kesselberg Spätburgunder GG - 2013:

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Der war auch erschreckend schwach für ein GG. Es wirkt wie von inhomogenem Traubenmaterial, die Frucht diffus, ordentlich Holz drauf, damit mans nicht so merkt. Keine Chance gegen meinen Favoriten:

Domaine Lecheneaut - Nuits Saint Georges - Au Chouillet Vieille Vigne - 2011:

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In der Runde wurde teilweise die fehlende Komplexität im Mund bemängelt, ich kann das nachvollziehen. Mich hat an dem Wein die Struktur und die Gerbstoffe gepackt.

2011 waren die Temperaturen, mit Ausnahme vom kalten Juli, über dem langjährigen Durchschnitt. Ich finde, den Aromen merkt man eine gewisse Hitze schon an, die sind schon etwas fortgeschritten, tertiär, ich würde nicht mehr zu lange mit dem Wein warten.

Flight 3:

Bernhard Koch - Spätburgunder "S" trocken - 2014:

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Den Wein hatte ich vor zwei Jahren schon mal verkostet. Jetzt scheint die Frucht schon auf dem Rückzug. Im Mund hat die Frucht (Johannisbeere, Schlehe, Erdbeere) einen Süßeeindruck. Das steht aber im Widerspruch zu meiner natürlichen Empfindung dieser Früchte; eine Johannisbeere aus dem Garten ist halt nicht süß. Natürlichkeit ist nicht die Stärke dieses Weins. Andersrum muss man sagen, für 8.50€ ist das ein wirklich klasse Wert. Der war besser als Gleichenstein und Bercher und stand auch dem letzten Deutschen kaum was nach.

Domaine Bart - Fixin - Hervelets 1er Cru - 2013:

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Von der Farbe der dunkelste im Feld und auch der einzige, der in der Frucht auch eher dunkle Beeren hatte (ob das in einem schwarzen Glas wohl auch so heraus gekommen wäre?). Der Wein war offen, in der Nase die Frucht etwas zurückhaltender, am 2. Tag aber auch da intensiv. Der hat noch viel Reserven und Substanz und wird wahrscheinlich noch an Komplexität zulegen.

Flight 4:

Domaine Joblot - Givry 1er cru Clos du Cellier aux Moines - 2014:

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Für meine Begriffe hatte die Flasche einen Schlag weg. Die Aromen waren oxidiert-drüber, hingegen die Gerbstoffe noch überpräsent. So richtig einem gängigen Fehler konnte ich das nicht zuordnen.

Weingut Becker Landgraf - Spätburgunder Herrgottspfad trocken - 2013:

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Ist mir insgesamt zu technisch, zu gemacht, wird schnell uninteressant. Das geht schon in Richtung Burgund, das würde gerne Burgund; im direkten Vergleich aber schon als deutsch erkennbar. Stilistisch ist das nicht ewig weit vom Koch weg, etwas tiefer, das Holz hochwertiger. Vom Spaßfaktor steht der Koch dem aber nichts nach. Für mich ist der Wein mit 36€ deutlich überpreist.

Die Verkostung hat recht lange gedauert, es bedarf mehr Zeit, die Pinot Noir zu erfassen, als es z.B. beim Chardonnay, Syrah und Riesling im identischen Verkostungsmodus gedauert hat.

Die Burgunder waren alle in der Nase etwas komplexer als dann im Mund. Aber in Punkto Feinheit, Klarheit, Balance war das ein ganz anderes Level als die deutschen Weine. Das Aromenspektrum kommt mir auch mehr entgegen. Das Erdige hat man in den deutschen Weinen nicht wirklich gefunden. Ich finde diese herben-dumpferen Aromen wichtig für das Gesamterscheinungsbild, es macht den Wein ernsthafter.

Das vielzitierte Minenfeld Burgund hat sich bei unserer Probe nach Deutschland verlagert.

Grüße, Josef
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Michl

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Re: Verkostung Spätburgunder - Pinot Noir

BeitragSo 31. Jan 2021, 20:47

Danke für den Bericht, Josef!
Viele Grüße

Michl
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Georg R.

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Re: Verkostung Spätburgunder - Pinot Noir

BeitragMo 1. Feb 2021, 19:38

Hallo Josef,

sehr schöner Bericht...und das Ergebnis bei der Auswahl auch nicht wirklich überraschend.
Wer hat denn all die fetten Flaschen auf deutscher Seite ausgesucht? :shock:

Gruss
Georg
Man kann die Erkenntnisse der Medizin auf eine knappe Formel bringen: Wasser, mäßig genossen, ist unschädlich.
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stollinger

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Re: Verkostung Spätburgunder - Pinot Noir

BeitragMo 1. Feb 2021, 20:15

Georg R. hat geschrieben:sehr schöner Bericht...und das Ergebnis bei der Auswahl auch nicht wirklich überraschend.
Wer hat denn all die fetten Flaschen auf deutscher Seite ausgesucht? :shock:

:lol: Die Diskussion kam am Ende unserer Runde auch auf. Sehe ich auch so. Die Deutschen kommen von einem aus unserer Runde. Wir sind von der Planung so verblieben, dass wir in drei Wochen Neue-Welt (Neuseeland und Oregon) gegen Deutschland machen wollen machen wollen. Danach evtl. noch mal die Sieger gegeneinander, aber mit einer anderen Weinauswahl. Mit etwas Dampf auf dem Kessel habe ich vollmundig behauptet, konkurrenzfähigere Deutsche ins Rennen zu bringen. Ich habe aber fast nur die Ortsweinklasse die GGs sind mir schnell zu holzlastig :? .

Bin für Anregungen und Kommentare dankbar. Dautel GGs und Randersacker Sonnenstuhl von Schmitts Kindern aus '16 wären da, Trockene Schmitts aus '15. Claus Schneider und Josef Walter ziemlich viel. Huber, Fürst sind mir in den Kopf gekommen, da müsste ich aber noch shopen.

Grüße, Josef
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Georg R.

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Re: Verkostung Spätburgunder - Pinot Noir

BeitragMo 1. Feb 2021, 20:42

stollinger hat geschrieben:
Bin für Anregungen und Kommentare dankbar. Dautel GGs und Randersacker Sonnenstuhl von Schmitts Kindern aus '16 wären da, Trockene Schmitts aus '15. Claus Schneider und Josef Walter ziemlich viel. Huber, Fürst sind mir in den Kopf gekommen, da müsste ich aber noch shopen.

Grüße, Josef


Hallo Josef,

Ich bin dann mal so frei und schicke ein paar Badener ins Rennen im Bereich 15-20 Euro

Claus Schneider hast Du ja schon genannt, der CS wäre wohl in der Preiskategorie.
Von Huber den Malterdinger.
Michel alte Reben.
Ziereisen Talrein
Salwey RS

falls Ihr in dieser Preiskategorie ebenbürtige oder gar bessere Weine im Burgund findet...dann trifft mich das hart :)

Gruss
Georg

Edit: Der Pinot * von Holger Koch liegt mittlerweile über 20 Euro, ältere Jahrgänge würden aber noch hineinpassen
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Bernd Schulz

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Re: Verkostung Spätburgunder - Pinot Noir

BeitragMo 1. Feb 2021, 21:32

Nichts gegen Spätburgunder aus Baden, Franken und der Pfalz - aber ich finde, ein Roter von der Ahr gehört eigentlich auch in eine solche Verkostung! In der Preisklasse von 15 - 20 Euro sollte sich da auch durchaus etwas Interessantes finden lassen, wobei ich aktuell nicht weiß, welcher Wein aus dieser Kursregion sich besonders anbietet. Vielleicht fühlt sich ja jemand anders zu konkreten Tipps berufen?

Herzliche Grüße

Bernd
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maha

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Re: Verkostung Spätburgunder - Pinot Noir

BeitragMo 1. Feb 2021, 22:01

Besorg Dir noch nen 16er Rings Kallstadter Spätburgunder Ortswein. Da ist das 16er GG rein gegangen das nicht als solches abgefüllt wurde
Z.B. Weinhandel Diehl für 17 EUR

Gruss
Marko
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Georg R.

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Re: Verkostung Spätburgunder - Pinot Noir

BeitragMo 1. Feb 2021, 22:14

Bernd Schulz hat geschrieben:Nichts gegen Spätburgunder aus Baden, Franken und der Pfalz - aber ich finde, ein Roter von der Ahr gehört eigentlich auch in eine solche Verkostung! In der Preisklasse von 15 - 20 Euro sollte sich da auch durchaus etwas Interessantes finden lassen, wobei ich aktuell nicht weiß, welcher Wein aus dieser Kursregion sich besonders anbietet. Vielleicht fühlt sich ja jemand anders zu konkreten Tipps berufen?

Herzliche Grüße

Bernd


Yep, hast recht...mein Nationalismus hat mich wieder einmal in der Auswahl beschränkt.

Paul Schumacher Pur Pinot (liegt leicht drüber) + Carpe Diem
Julia Bertram Dernauer/Ahrweiler Spätburgunder

Hat Fiebrich auch was in dem Bereich?... falls ja würde ich ihn blind empfehlen.

Gruss
Georg
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Mark Twain
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Moselaner

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Re: Verkostung Spätburgunder - Pinot Noir

BeitragMo 1. Feb 2021, 22:23

Hallo!

Aus Baden würde ich gerne noch erwähnen:
Ziereisen: Blauer Spätburgunder Talrain unfiltriert 2016/2017, kostet 17,80 Euro.

Holger Koch: Herrenstück 2017/2018/2019, kostet 14 Euro.

Von der Mosel:
Günther Steinmetz: Kestener Paulinsberg Pinot Noir 2017, kostet 19,50 Euro.

Markus Molitor: Pinot Noir* 2016/2018, kostet 19,50 Euro.

Aus Franken:
Fürst: Burstadter Spätburgunder 2018, kostet 19,50 Euro.

Von der Ahr:
Betram-Baltes: Dernauer Spätburgunder 2018, kostet 17 Euro.

Meyer-Näkel: Spätburgunder Grauwacke 2018, kostet 16,50 Euro.

Stooden: Spätburgunder J 2018, kostet 19 Euro.

Viele Grüße
Patrick
Wo aber der Wein fehlt, stirbt der Reiz des Lebens.
Euripides
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Michl

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Re: Verkostung Spätburgunder - Pinot Noir

BeitragMo 1. Feb 2021, 22:39

maha hat geschrieben:Besorg Dir noch nen 16er Rings Kallstadter Spätburgunder Ortswein. Da ist das 16er GG rein gegangen das nicht als solches abgefüllt wurde
Z.B. Weinhandel Diehl für 17 EUR


Den hatte ich vor ca. 2 Wochen im Glas. War viel zu jung! Am 1. Tag regelrecht enttäuschend, am 3. Tag dann mit erkennbarer Ambition, aber noch immer sperrig. Habe aufgrund der Info, dass das GG da reinging, mehrere Flaschen gekauft. Traue mir aber überhaupt keine Prognose zu und habe aufgrund meiner Unsicherheit auch nichts geschrieben. Lasse ich noch mindestens 3 Jahre zu und was dann kommt, wer weiß...

Im Übrigen: Georg hat ja schon viele Namen zurecht genannt. Vielleicht auch Salwey? Wenn es aber auch mit Holz sein darf (oder gar vielleicht sogar als Kontrastprogramm sein soll), dann ist der Schönenberg von R. u. C. Schneider in seinem Preisbereich und als typisch deutscher Vertreter sicherlich sehr interessant.
Viele Grüße

Michl
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