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Weinprobe "unterschätzte Rebsorten" in Würzburg

Berichte von Verkostungen mit Weinen aus mehreren Ländern/Regionen (sonst bitte im Länderforum einstellen)
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weinaffe

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Weinprobe "unterschätzte Rebsorten" in Würzburg

BeitragSo 22. Mär 2020, 20:21

Hallo zusammen,

es gibt zwar zur Zeit wichtigere Dinge, aber ich will auch zu meiner eigenen Ablenkung über die gefühlt Lichtjahre zurückliegende letzte VHS-Weinprobe in Würzburg, die als eine der letzten VHS-Seminare noch ganz regulär vorletzten Freitag stattfand.
An diesem Abend ging es um die "Underdog-Rebsorten", die entweder international keinerlei Marktbedeutung besitzen oder trotz gewisser Flächenverbreitung nicht wertgeschätzt werden. Da dies Seminar keine Kuriositäten- oder Arbeitsprobe sein sollte, wurden die Rebsortenweine vor allem mit der Maxime ausgewählt, dass der Trinkspass nicht zu kurz kommt. Dies gelang auch aufgrund kundiger und engagierter Produzenten fast ausnahmslos.

Folgende 15 Weine (5x weiß, 10 x rot) wurden in der tatsächlichen Reihenfolge verkostet:

2016er Sylvaner "19-68" Landwein Rhein trocken (Michael Teschke, Gau-Algesheim) -Rheinhessen-
dezente, goldgelbe Farbe mit zarten (Sponti-)Reduktionsnoten (Feuerstein, Schießpulver), mit etwas Luft dann sehr reintönig, dezent Quitte,Lederapfel, etwas Birne, dezent würzig, auf der Zunge ohne jede schmeckbare Restsüsse, angenehme Säure, nur mittelgewichtig (12 Vol%), elegante Gelbfrucht, keinerlei Schwülstigkeit oder Breite, sehr klar und direkt, für diese Gewichtsklasse erstaunlich dicht und lang im Abgang. Perfekter Trinkfluss, ein vorbildlicher, mittelgewichtiger Sylvaner. Leider nicht ganz billig (knapp 22 EURO im Handel).

2018er Stettener Stein "Vinz" Scheurebe Alte Reben QW trocken (Knoll, Würzburg) -Franken-
unfiltrierte Scheu aus über 50 Jahre alten Rebstöcken: kräftiges Strohgelb, ganz zarte und elegante Sortenart mit Cassis und Grapefruit, absolut trocken, durchaus stoffig aber ohne jede Schwere, passende Säure, die 13,5 Umdrehungen sind bestens eingebunden, sehr saftig und mundwässernd, auch am Gaumen nur zarte Fruchtausprägung, obwohl die Rebsorte zweifelsfrei erkennbar ist, gute Länge. So geht Scheurebe ! Ein ausgezeichneter Sortenvertreter, der auch Bukettsortenhasser gefallen könnte.

2016er Furmint "Iglic" Stajerska Slovenija (Vino Gross, Podlehnik)-Slowenien-
für mich einer der besten, trockenen Furmints am Markt, der das Potential dieser Rebsorte exemplarisch aufweist: elegante, glockenklare Nase mit einem winzigen Hauch von Holz, viel Finesse und Komplexität schon in der Nase, reife Quitte, Lagerapfel und Birne, vermischt mit fast veltlinerartigem Pfefferl, auf der Zunge ebenso ebenmäßig, hier sticht nichts heraus,keinerlei Restsüsse, dennoch ausgewogen dank hohem Extrakt, ein Hauch Holz im Hintergrund sorgt für Komplexität, sehr ausgewogen und in sich ruhend, hohe Eleganz und Finesse, die den hohen Extrakt und die Dichte dieses Weines perfekt auffängt. Großer, trockener Furmint aus Slowenien, der leider seinen -allerdings berechtigten- Preis hat (gut 30 EURO im Handel).

2016er Albarino "El Palomar" Rias Baixas DO (Bodegas Zarate, Pontevedra) -Spanien-
Albarino aus 0,5 ha-Einzellage, bestockt mit bis zu 150 Jahre alten, wurzelechten Rebstöcken. Albarino ist ein gutes Beispiel für eine -zumindest noch derzeit- lokale, hochqualitative Rebsorte, die zukünftig sogar für die AOC Bordeaux zugelassen ist. Dieser Sortenvertreter ist ein leuchtendes Beispiel für die Qualität dieser Rebsorte: zartgoldene Farbe, sehr feine und vor allem tiefe Nase nach Aprikosen, Mirabellen und etwas Grapefruit, auch auf der Zunge Kraft, Finesse und Eleganz, feine Gelbfrucht mit zarter Würze, Holz nur ganz im Hintergrund, steinige Akzente, nur mittelgewichtig (12,5 Vol%), elegante Säure, sehr dicht, große Tiefe, aber alles auf Eleganz ausgerichtet. Klingt lange aus. Toller Sortenvertreter, der im Hinblick auf die Qualität erstaunlich preisgünstig ist (ca. 22 EURO im Handel).

1998er Mußbacher Eselshaut Rieslaner Auslese (Müller-Catoir, Haardt) -Pfalz-
die 1921 von August Ziegler in Veitshöchheim gezüchtete Kreuzung aus Silvaner und Riesling hat aus vielerlei Gründen nicht den Durchbruch geschafft, obwohl die hohe Qualität gerade im edelsüssen Bereich unbestritten ist. Bester Beweis diese tiefgestapelte Auslese vom legendären Kellermeister H.-G. Schwarz: gesundes Gelbgold, in der Nase eine Orgie aus vorwiegend tropischen Früchten (Maracuja, Mango, Grapefruit), vermischt mit Spuren von Rhabarber und Lakritze sowie extrem sauberer Bortrytis, auf der Zunge perfekt ausgewogen zwischen Restsüsse und klirrender Säure, leicht im Alkohol (10 Vol%), trotzdem sehr dicht und lang, jetzt in perfekter Trinkreife. Das ist hochwertigster Fruchtsaft für Erwachsene :lol: , leider nicht mehr nachkaufbar.

Fortsetzung mit den 10 Rotweinen folgt in Kürze !

Meine abschliessende Bitte: bleibt zuhause, trinkt mit eurer/eurem Liebsten ein gutes Fläschchen Wein und lasst diesen fiesen Virus ins Leere laufen. Bleibt gesund !!
Hier in Würzburg sind die Leute erfreulicherweise sehr diszipliniert und halten sich an die Regeln.

LG
Bodo
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Bernd Schulz

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Re: Weinprobe "unterschätzte Rebsorten" in Würzburg

BeitragSo 22. Mär 2020, 20:36

Hallo Bodo,

vielen Dank für deinen wie immer ganz ausgezeichnet geschriebenen Bericht! Besonders gezuckt habe ich angesichts deiner Beschreibung der Scheurebe von Knoll. Ich liebe die Sorte, und deine Darstellung des Wein hat durchaus so etwas wie einen Kaufreflex in mir ausgelöst. Wahrscheinlich werde ich mich beherrschen, aber ganz sicher ist das noch nicht....

Herzliche Grüße

Bernd
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EThC

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Re: Weinprobe "unterschätzte Rebsorten" in Würzburg

BeitragMo 23. Mär 2020, 11:08

Hallo Bodo,

das fängt ja wieder mal gut an! Ein bißchen was kenn' ich generell, wenn auch aus anderen Jahrgängen (19-68 von Teschke und die Vinz-Scheurebe vom Weingut am Stein) und kann nur bestätigen, daß man diese Weine durchaus als Benchmark nutzen kann, wenn man mal zeigen will, was die Sorten tatsächlich (auch) können. Furmint ist auch so eine unterschätzte Sorte, aus Slovenia kenn' ich diesbezüglich noch gar nichts, eher aus Ungarn. Bei Rieslaner kann ich mich auch nur an betörende Süßwein-Erlebnisse erinnern, mich würde da mal was interessieren, das auch im trockenen Bereich Benchmark-Charakter hat, fällt Dir dazu was ein? Und bei Alvarinho bin ich immer wieder erstaunt, wie vielfältig die Sorte ist, wobei ich im qualitativ gehobeneren Segment allerdings hauptsächlich portugiesische Sachen kenne...

Bin gespannt auf die roten Underdogs!

Alles Gute nach Würzburg und Grüße an alle, die ich da so kenne!
Viele Grüße
Erich


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weinaffe

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Re: Weinprobe "unterschätzte Rebsorten" in Würzburg

BeitragMo 23. Mär 2020, 17:45

Bernd Schulz hat geschrieben:Hallo Bodo,

vielen Dank für deinen wie immer ganz ausgezeichnet geschriebenen Bericht! Besonders gezuckt habe ich angesichts deiner Beschreibung der Scheurebe von Knoll. Ich liebe die Sorte, und deine Darstellung des Wein hat durchaus so etwas wie einen Kaufreflex in mir ausgelöst. Wahrscheinlich werde ich mich beherrschen, aber ganz sicher ist das noch nicht....

Herzliche Grüße

Bernd


Hallo Bernd,

Scheurebe ist auch was für mich, solange das Bukett zart ausgeprägt ist und eine gewisse Eleganz und Tiefe im Wein steckt. Dann kann die Scheu so manchen renommierten Sortenkollegen die Schau stehlen. Der Schlüssel für solch elegante Scheu ist meist ein alter Rebenbestand und ein kundiger Winzer. Ludwig Knoll ist einer, der das voll im Griff hat, ebenso in Franken Weltner und auch Wirsching mit seinen alten Reben. 2018 war in Franken ein schwieriger Jahrgang, so dass die Performance der Knoll'schen Scheu wirklich sehr beachtlich ist. Allerdings haben mir persönlich sein 2016er und vor allem sein 2017er besser gefallen, da beide ca. 1 Volt weniger hatten und dadurch noch etwas frischer und eleganter waren. Aber das ist schon Jammern auf hohem Niveau ;) Leider hat der "Vinz" auch seinen Preis (ca. 20 EURO).

LG
Bodo
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weinaffe

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Re: Weinprobe "unterschätzte Rebsorten" in Würzburg

BeitragMo 23. Mär 2020, 18:01

EThC hat geschrieben:Hallo Bodo,

das fängt ja wieder mal gut an! Ein bißchen was kenn' ich generell, wenn auch aus anderen Jahrgängen (19-68 von Teschke und die Vinz-Scheurebe vom Weingut am Stein) und kann nur bestätigen, daß man diese Weine durchaus als Benchmark nutzen kann, wenn man mal zeigen will, was die Sorten tatsächlich (auch) können. Furmint ist auch so eine unterschätzte Sorte, aus Slovenia kenn' ich diesbezüglich noch gar nichts, eher aus Ungarn. Bei Rieslaner kann ich mich auch nur an betörende Süßwein-Erlebnisse erinnern, mich würde da mal was interessieren, das auch im trockenen Bereich Benchmark-Charakter hat, fällt Dir dazu was ein? Und bei Alvarinho bin ich immer wieder erstaunt, wie vielfältig die Sorte ist, wobei ich im qualitativ gehobeneren Segment allerdings hauptsächlich portugiesische Sachen kenne...

Bin gespannt auf die roten Underdogs!

Alles Gute nach Würzburg und Grüße an alle, die ich da so kenne!


Hallo Erich,

Grüße werden ausgerichtet ;) Corona hin oder her-- ich hoffe, dass wir gegen Ende des Jahres noch eine Privatweinprobe in Würzburg auf die Beine stellen können. Zu deiner Rieslaner-Frage: Rieslaner werden relativ selten trocken ausgebaut, daher kann man hier kaum ein herausragendes Beispiel mit Benchmark-Charakter nennen. Sehr gut ist aber eigentlich immer die trockene Rieslaner Spätlese der Trockenen Schmitt's, die meines Wissens sogar die älteste Rieslaner-Anlage in Deutschland besitzen. Früher hätte ich ohne Zögern Müller-Catoir genannt. Dort wurden in den 80er und 90er Jahren unter Hans-Günther Schwarz auch phantastische trockene Rieslaner erzeugt, die damals auf jeden Fall die Benchmark waren. Leider habe ich davon nichts mehr im Keller; die Weine wären aufgrund ihrer legendären Alterungsfähigkeit noch heute ein Hochgenuss.

LG
Bodo
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weinaffe

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Re: Weinprobe "unterschätzte Rebsorten" in Würzburg

BeitragSa 28. Mär 2020, 18:35

.... und weiter geht es mit den roten Sortenvertretern der unterschätzten Rebsorten:

2016er Südtiroler Lagrein Riserva DOC (Ansitz Waldgries,Christian Plattner, Bozen) -Südtirol-
Lagrein ist ein sehr gutes Beispiel für eine lokal angepflanzte, hochwertige Rebsorte. Hier ein ganz typischer Vertreter:
fast blickdichtes Purpur, satte Nase nach Brombeeren, Kirsche und ein Hauch Schlehe, vermischt mit würzigen Holznoten. Noch sehr jugendlicher Auftritt. Am Gaumen absolut trocken, saftige Säure, sehr feinkörniges Tannin, die 14 Vol% sind gut verpackt, sehr fruchtdicht, aber kein fetter Wein, dunkle Beerenfrucht, etwas Tabak, sehr sauber und klar, gute Länge. Es fehlt aufgrund der Jugend vielleicht noch ein bischen die Komplexität, was in den nächsten Jahren noch kommen kann. Zweifelsfrei ein sehr typischer und hochwertiger Sortenvertreter.

2018er "Pheasant Tears" Saperavi Skin Contact Kakheti (Pheasant Tears, Sighnaghi) -Georgien-
Saperavi ist eine lokale georgische Rebsorte, die ähnlich wie der Alicante Bouschet eine Färbertraube ist und insbesondere von alten Rebstöcken erstaunlich gute Qualitäten erbringen kann. Der hier probierte Wein aus dem Programm von Lobenberg ist ein Gemeinschaftsprojekt eines in Georgien lebenden amerikanischen Künstlers mit einem georgischen Winemaker, wobei der Wein in der Amphore ausgebaut, nicht filtriert und geschönt sowie wenig SO2 zugesetzt wurde. Ich bin durchaus ein Freund solcher möglichst naturnah ausgebauter Weine und nehme hier durchaus die eine oder andere Ecke und Kante in Kauf. Der Wein muss allerdings trotzdem unfallfrei zu trinken sein und bei allem Charakter auch noch Spass machen. Trotz Lobeshymnen von Herrn Lobenberg ist dieser Wein nur für Hardcore-Naturwein-Freaks zu empfehlen. Schon in der Nase macht sich neben einer ruppigen Waldbeerfrucht eine unangenehme Holzkohlenote breit, begleitet von intensiv Heftpflaster und Jod. Am Gaumen spiegelt sich das in gleicher Weise wider. Medizinal und ruppig bis zum Abwinken, aber es gibt sicherlich irgendjemanden, dem so etwas noch gefällt. Für mich ein klar fehlerhafter, ziemlich ungeniessbarer Wein, für den man immerhin knapp 20 EURO hinlegen muss. Schade um diesen glücklicherweise singulären Ausfall, da aus Saperavi durchaus interessante Weine, auch in gekonnter Naturweinstilistik, gekeltert werden können.

2016er "Roc" Valtuille Bierzo DO (Veronica Ortega, Cacabelos)-Bierzo-
100 % lokale Rebsorte Mencia, 80-100 Jahre alte Reben,14 Monate im französischen Barrique.
Die Mencias der Powerfrau Veronica Ortega gehören für mich zu den Topweinen aus dieser autochthonen Rebsorte:
leicht durchscheinendes Granatrot, sehr feine und vielschichtige Nase nach Preiselbeeren, Himbeeren und etwas Sauerkirsche, nur ganz dezenter und unterstützender Holzeinsatz, jugendlich und burgundisch angehaucht.
Am Gaumen ein Mix aus hellroten Beeren, vermischt mit etwas blondem Tabak und etwas Pfeffer, komplett trockene Anmutung, genial auffrischende Säure, feine Tanninstruktur, Holz ganz im Hintergrund, trotz 13,5 Vol% ein eher mittelgewichtiger und eleganter Weintyp, sehr saftig mit hohem Trinkfluss, durchaus langer fruchtig-würziger Abgang. Hier wird Eleganz und Finesse auf die Spitze getrieben, was auch zum Charakter der Rebsorte Mencia sehr gut passt. Das ist hier wohl die spanische Antwort auf burgundischen Pinot noir.

2016er Touriga Nacional Cima Corgo Douro DOC (Macanita Vinhos, Loureiro)- Douro-
Dieser Wein ist ein Gemeinschaftsprojekt der Geschwister Joana und Antonio Macanita, wobei letzterer bereits im Alentejo mit seinen "Fita Preta"-Weinen für einiges Aufsehen sorgte.
Touriga Nacional ist eine ganz hochwertige autochthone portugiesische Rebsorte, die seit neuestem auch im Rahmen der Bordeaux aoc als empfohlene Rebsorte zugelassen ist.
Und dieser Sortenvertreter aus dem kühleren Bereich des Dourotals ist echt der Hammer: tiefes, fast undurchsichtiges Granatrot, unwahrscheinlich fruchtdichte Aromatik (Kirsche, Brombeere, Himbeere), vermischt mit etwas Lakritze und sanftem Holzeinsatz. Auf der Zunge absolut trocken, viel Dichte und Kraft, aber auch eine hintergründige Eleganz, feinstrahlige Säure, feinkörniges, gut strukturierendes Tannin, blitzsaubere Dunkelfrucht, neues Leder, ein Hauch Kräuter mit etwas Ätherik, trotz aller Kraft absolut kein Dickschiff, die 14 Vol% sind in keiner Weise spürbar, sehr langer, ebenmäßiger Abgang.
Ich hatte vor ein paar Jahren die Möglichkeit, im Alentjo in einer Jury mitzuwirken, bei der über 100 Touriga Nacional-Weine aus ganz Portugal bewertet wurden. Dieses Exemplar der Geschwister Macanita wäre bei mir ganz weit vorne gelandet. Großartiger Touriga Nacional, der die Qualität dieser Rebsorte exemplarisch aufzeigt.
Unbedingte Kaufempfehlung trotz gerechtfertigter knapp 32 EURO im Handel.

2013er "Les Myrs" Cotes du Roussillon AOP (Domaine Danjou-Banessy) -Roussillon-
100% Rebsorte Carignan aus durchschnittlich 80 Jahre alten Reben.
Carignan ist ein gutes Beispiel für eine wenig geachtete Rebsorte, die hohe Erträge liefern kann und dabei die tiefrote Farbe beibehält. Trotz größerer Verbreitung im Mittelmeerraum wird sie nur selten sortenrein ausgebaut, sondern meist als Massenträger und Farbgeber missbraucht. Was diese Sorte aus alten Reben aber leisten kann, zeigt dieser in eigener Stilistik produzierte Carignan: für Carignan verhältnismäßig helle Farbe (durchscheinendes Kirschrot), ganz elegante Nase nach Blaubeeren, Süsskirschen, vermischt mit Tabak, Zedernholz, etwas Lakritze, Piment, sehr vielschichtig und komplex, macht neugierig auf den ersten Schluck. Am Gaumen reife, aber zarte Dunkelfrucht, feine Extraktsüsse, saftige Säure, viel Würze, genialer , nur unterstützender Holzeinsatz, der eine feine Würze mitbringt, nur mittelgewichtig (13 Vol%), noch nicht komplett abgeschmolzenes, feines Tannin, großartige Harmonie aller Komponenten, langer, retronasaler Nachklang.
Das ist für mich einer der feinsten und elegantesten Rotweine aus Südfrankreich, der in puncto Eleganz und Finesse auch mit vielen Crus aus dem Burgund mithalten kann, auch wenn dies nur ein "ordinärer" Carignan ist.
Chapeau für die Produzenten und für mich die Referenz in Sachen reinsortiger Carignan.
Der Wein trinkt sich jetzt wunderbar, wird aber in 3-5 Jahren vielleicht noch besser sein. Für mich neben dem Touriga Nacional der Wein des Abends.

Fortsetzung mit den letzten 5 Rotweinen folgt in Kürze !

LG
Bodo
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Re: Weinprobe "unterschätzte Rebsorten" in Würzburg

BeitragSa 28. Mär 2020, 19:32

...da fühle ich mich am meisten zu Touriga Nacional und Mencia (bzw. Jaen in Portugal hingezogen, zwei Sorten, die für mich dadurch glänzen, daß man aus ihnen gehaltvolle Weine ohne Dickschiffcharakter zaubern kann und die -vor allem bei TN- auch erhebliches Reifepotential haben. Bin schon gespannt auf die Fortsetzung! :D
Viele Grüße
Erich


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glauer

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Re: Weinprobe "unterschätzte Rebsorten" in Würzburg

BeitragSo 29. Mär 2020, 01:59

Ich weiß nicht was genau da los war, aber Pheasant‘s Tears ist eigentlich eine sehr gute und verlässliche Adresse. Ich war da auch schon zweimal vor Ort und habe mich unfallfrei durch das Sortiment getrunken. Wobei ich in Georgien meist mehr zu den Weißen tendiere. Gerade Saperavi ist mir oft zu brutal tanninreich.
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weinaffe

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Re: Weinprobe "unterschätzte Rebsorten" in Würzburg

BeitragSo 29. Mär 2020, 11:14

glauer hat geschrieben:Ich weiß nicht was genau da los war, aber Pheasant‘s Tears ist eigentlich eine sehr gute und verlässliche Adresse. Ich war da auch schon zweimal vor Ort und habe mich unfallfrei durch das Sortiment getrunken. Wobei ich in Georgien meist mehr zu den Weißen tendiere. Gerade Saperavi ist mir oft zu brutal tanninreich.


Hallo Glauer,
Ich kann leider nur von diesem Wein ausgehen, von dem ich mir 2 Flaschen bei Lobenberg bestellt hatte. Die zweite geöffnete Flasche hatte leider einen Bombenkork und zusätzlich die unangenehmen verbrannten und medizinischen Noten. Da ist wohl möglicherweise mit der gesamten Saperavi-Abfüllung einiges schiefgelaufen.

LG
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glauer

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Re: Weinprobe "unterschätzte Rebsorten" in Würzburg

BeitragSo 29. Mär 2020, 14:56

weinaffe hat geschrieben:
glauer hat geschrieben:Ich weiß nicht was genau da los war, aber Pheasant‘s Tears ist eigentlich eine sehr gute und verlässliche Adresse. Ich war da auch schon zweimal vor Ort und habe mich unfallfrei durch das Sortiment getrunken. Wobei ich in Georgien meist mehr zu den Weißen tendiere. Gerade Saperavi ist mir oft zu brutal tanninreich.


Hallo Glauer,
Ich kann leider nur von diesem Wein ausgehen, von dem ich mir 2 Flaschen bei Lobenberg bestellt hatte. Die zweite geöffnete Flasche hatte leider einen Bombenkork und zusätzlich die unangenehmen verbrannten und medizinischen Noten. Da ist wohl möglicherweise mit der gesamten Saperavi-Abfüllung einiges schiefgelaufen.

LG
Bodo


Hallo Bodo
das ist sehr schade. Den Saperavi habe ich nicht aber ich werde heute Abend einmal den Polyphonia von denen aufmachen, das ist ein gemischter Satz aus einem Weinberg in dem sie alle autochthonen Rebsorten Georgiens (bis jetzt glaube ich schon ueber 500) sammeln. Ich hoffe es wird sich nicht der klassische Urlaubsweineffekt (habe ich das wirklich probiert und dann auch noch gekauft?) einstellen.
Ihr hättet aber gewarnt sein sollen. Wie ich gerade sehe hat der Saperavi bei Lobenberg nur 95 Punkte, das ist bei ihm doch die Gerade-noch-so-Kochwein-Kategorie.

Gruss, Georg
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