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Winebank FFM - VKN Querbeet

Berichte von Verkostungen mit Weinen aus mehreren Ländern/Regionen (sonst bitte im Länderforum einstellen)
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maha

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Brunello

BeitragMo 24. Jun 2019, 12:51

Hallo zusammen,

Am Wochenende widmeten wir uns dem Thema Brunello. Mit dieser Region bin ich bisher wenig bis gar nicht in Berührung gekommen. In dieser Klasse schon gar nicht.
Leider hatten wir wenig Flaschenglück. Die eine oder andere Buddel war schon drüber oder hatte einen Fehler.
Getrunken wurde offen

Zum Apero: Biondi Santi Rosato, 2012:
Dezente Nase, leichter oxidativer Muff, Schwarztee
Schon tertiär im Mund, Orangenzeste, Ich würde fast auf nen Korkschleicher tippen. Bittere Noten, Sherry. Am Gaumen etwas besser als in der Nase. Lässt mich dennoch etwas ratlos zurück. Für mich schon drüber

Flight 1)
Casanova di Neri Cerretalto, 1995
Dunkle Kirsche, erdig, Süßholz, floral, leicht laktisch. Mit Luft Kaffee
Im Mund auch Kirsche, etwas dunkle Schokolade, Minze, Estragon, schöne Tanninstruktur, glockenklare Säure, wirkt noch verschlossen, schöne Länge, dennoch mit angezogener Handbremse

Biondi Santi, 1997
Verschlossene Nase, ebenfalls Kirsche, etwas dunkler aber auch schon etwas tertiärer, leichte Noten von Brühe
Im Mund auch schon tertiär, etwas Würze, wenig Frucht, die Säure steht etwas neben dem Wein. Ungünstige Flasche, oder schon etwas müde
Das wird mit Luft durchaus etwas besser, aber ganz überzeugt mich das aber nicht

Einzel Flight 2)
Biondi Santi, 1980
Maggi Kochstudio. Untrinkbar

Flight 3)
Valdicava Madonna del Piano, 1988
Liebstöckel, Pilze, Blut, das wird mit Luft etwas besser, kriegt jetzt eine Kuhstall Note. Später Rosmarin / Thymian und Bergamotte
Im Mund malzige Extraktsüße, ordentlich Tannin, wenig Frucht, erdiger Waldboden, Salmiak, hat noch ne Frische Säure, etwas kurz und mir schon etwas zu tertiär. Irgendwie passen diese Liebstöckel Noten nicht zum relativ frischen Rest

Valdicava Madonna del Piano, 1990
So, jetzt aber endlich. Sehr schöne Nase, Blaubeerpfannkuchen, schöne Würze, Rosinen, etwas Eukalyptus, was für ein Nasentier. Schön Komplex
Auch im Mund hervorragend. Ebenfalls Blaubeere, Salzkaramell, Hefeteig, schöne Säure, trocknende Tannine, sehr frisch und wunderschön komplex, weniger würzig als in der Nase. Ewig lang und tief. Für mich mit Abstand der beste Wein des Abends (das sollte auch so bleiben).

Flight 4)
Biondi Santi, 1987
Da scheinen wir wieder eine schöne Flasche erwischt zu haben. Helle Kirsche, feine Würze, bisschen Pumpernickel, rostige Fahrradkette, Tabak, Espresso, Feige, Amaretto
Frischer Gaumen, sehr trinkig, die Säure fast ein ticken zu tough, leicht unreife Zwetschge, nicht überkomplex und leider etwas kurz. Dennoch ein schöner Wein

Biondi Santi, 1991
Etwas freakige Nase die mit Luft aufdreht, Italienische Küchenkräuter, Lakritz, Marzipan, Himbeerbonbon, Röstkaffee
Im Gaumen seinem Flightpartner nicht unähnlich. Frische und spitze Säure, die Frucht etwas komplexer, Tannin noch sehr präsent, etwas länger.
Ein Flight auf Augenhöhe.

Dennoch, bei den aufgerufenen Preisen war mir das zu wenig. Ja, einige Flaschen hatten einen Fehler oder waren schon drüber. Aber für meinem Favoriten Wein, Madonna del Piano 90, würde ich keine 180 – 200 EUR hinlegen. Die Erfahrungen möchte ich jedoch nicht missen. Vielen Dank an den Organisator

Es waren genug Bordeauxtrinker anwesend um noch den einen oder anderen Reparatur-Bordeaux seiner Bestimmung zuzuführen.

Das war zunächst:
Chasse Spleen, 2001
Jo, Bordeaux :-), schöne BDX Nase, dunkle Schattenmorellen, Kräuter, Erde, später Cassis, ganz leicht likörig, Salmiak
Im Mund schön würzig, feine Säure, dunkle Beeren, stützende Tannine, ordentliche Länge

Dann gab es was zum Dessert:
Einen no-Name Vin Santo (n.V.)
Kaffee, Kräuterlikör, medizinische Noten, Amarena
Die Süße sehr präsent, geröstete Nüsse, schon sehr oxidativ, etwas anstrengend. Es fehlt jetzt das Tiramisu dazu
Die Flasche kommt aus einem Keller bei dem ich nicht wusste wie lange er da schon vor sich hin oxidierte. Es war mit Sicherheit auch kein Spitzen Gewächs und eigentlich als Back-up Dessertwein gedacht. War ganz OK, mehr aber auch nicht.

Ganz im Gegenteil dazu dieser Hammer Süßwein aus Ungarn:
Tokaji, Forditas Erzsebet Pince, 2013
Komplexe Nase, Kräuter mit gelber Frucht, eingelegter Pfirsich, Ananas, Maracuja
Herrlich komplex auch am Gaumen, Aprikose, süße Ananas, die schöne Exotik der Nase setzt sich hier fort, feine Würze, geile Säure. Wie eine Mischung aus Sauternes und Riesling Auslese. Ewig lang. Das macht richtig Spass. Für einige war das der WOTN

Zu später Stunde musste dann auch noch ein weiterer Bordeaux dran glauben
Cos d‘Estournel 1993
Das ist schon auch für einen, sagen wir weniger gehypten Jahrgang, sehr beeindruckend. Der Vergleich hinkt jetzt vielleicht etwas, aber da kommt keiner der Brunellos ran.
Geile Nase, würzig, saftige Cassis Frucht, leicht medizinal
auch am Gaumen würzig fruchtig, von Altersmüde keine Spur. Dunkle Beeren, stimmiges Säure-Tannin Gerüst. Wunderschön.

Vielen Dank an alle
Gruss
Marko
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maha

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Re: Winebank FFM - VKN Querbeet

BeitragDo 27. Feb 2020, 13:52

Hallo zusammen,

Gestern Abend trafen sich wieder in paar Weinbekoppte zu einer BYOB. Thema war 50 EUR+ ohne thematische Einschränkung. Getrunken wurde blind in 2er Flights, die zufällig zusammen gestellt wurden, aufgedeckt nach jedem Flight.

Ich hab nichts notiert, aus dem Kopf ein paar Eindrücke, so lange sie noch frisch sind ;) :

Eigentlich sollte das ein Apero werden, wurde aber dann zum ersten Flight:

Emrich Schönleber Weißburgunder trocken, 2010
Buttrig, cremig, wenig Säure, kaum Reifenoten, dezente Frucht, mittlerer Körper. Schöner und spannender Wein, den keiner so richtig verorten konnte. Sehr frisch für 2010

Rebholz Ganshorn im Sonnenschein, Riesling GG, 2007
Wuchtig und dennoch sehr präzise, dunkelgelbe Frucht, leichte Petrolnoten, voller Körper, sehr schöne Säure und viel Tiefe. Die Reife schmeckt man, sie steht ihm aber gut. Ein wunderschönes GG

Flight 2:

Manincor, Castel Campan, 2016 (Südtirol)
65% Merlot, 35% Cab Franc. Gärung im Holzbottich, spontan mit traubeneigenen Hefen. 4 Wochen Mazeration, um so viel feinkörniges Tannin wie möglich zu extrahieren. Zwanzig Monate im Barrique, die Hälfte in neuem Holz.
Beerige Frucht (Brombeere) dazu Zwetschge, sehr ausladend und fruchtig in der Nase. Dazu kommt Tabak und etwas Leder. Trotz BDX Cuvee wäre ich hier erst nicht im Bordelais. Am Gaumen frisch mit guter Säure, sehr feinem Tannin und expressiver Frucht (auch hier Brombeere und Pflaume). Gute Länge und sehr ausgewogen. Das wird in 10 Jahren so manchen Pomerol platt machen. Einer meiner beiden WOTN (und gut dass ich davon noch was im Keller habe :) )

Tua Rita, Giusto di Notri, Rosso Toscana, 2007
Auch hier eine klassische BDX Cuvee (Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot)
Schmutzige Farbe, ausladende Nase nach dunkler Kirsche. Einige tippten auf Sangiovese. Reife Tannine, Kirschfrucht, schönes Säuregerüst und einige Reifenoten, etwas Waldboden und Pilze aber keineswegs drüber. Ein wunderschöner Wein und ein klasse Flight gleich zu Beginn!

Flight 3:

Dom. de la Vougeraie, Nuit St. Georges, Les Corvees Pagets, 1er Cru, 2009
Sofort als Burgunder zu entlarven, aber auch sein Alter merkte man Ihm schon an. Ein etwas kargerer Vertreter seiner Zunft. Die Nase etwas zurückhaltend, kam dann aber mit Luft. Im Mund typisch Burgund, aber auf Nuit St. Georges kam dann doch keiner. Dafür war er auch im Mund zu karg. Das stand dem Gesamtkonzept des Weins aber ganz gut.

Smith Haut Lafite, Pessac, 1998
Das war sofort als BDX Cuvee zu erkennen. Leichter Kuhstall, schöne BDX Nase, ganz leicht Paprika, sonst eher dunkle Nase. Schöner Gaumen, beim Alter waren wir uns uneinig (ich war bei 2006). Die Tannine schön abgeschmolzen. Schöner Wein! (Mein erster SHL)

Flight 4:

Prieure Lichine, Margaux 1995
Auch hier waren wir schnell im Bordelais. Dunkle Frucht, die Tannine noch präsent. Die Erinnerung verblasst hier aber leider zu vorgerückter Stunde

Benzinger Reserve, Sonoma County, 2005
55% Cabernet Sauvignon, 45% Merlot, das Ganze Biodynamisch erzeugt
Trotz BDX Cuvee ganz anders als die BDX die wir bisher hatten. Wuchtig und Expressiv, in der Nase fast likörig, leicht brandig. Sehr laut und muskulös. Das setzte sich im Mund fort. Likörige Frucht, die Säure eher dezent, aber auch alles sehr mächtig. Trotz des Alters wirkte das noch recht frisch und jung. Das klingt jetzt vielleicht etwas negativer als es war. Ich war zunächst im Priorat, dafür fehlte aber etwas der Schiefer. Und es erinnerte weder and Carignan noch an Grenache. Aber bekanntermaßen gefällt mir diese Stilistik sehr gut, deswegen war das zusammen mit dem Manincor mein WOTN

Der letzte Flight ließ uns dann leider etwas ratlos zurück.

Clos Mogador, Priorat, 2010
Hm, Von der Stilistik kam das mit dem Priorat durchaus hin, aber entweder die Flasche hatte einen Fehler oder der Wein befindet sich derzeit in einer sehr schwierigen Phase. Da passte nicht viel zusammen, die Nase wirkte etwas diffus, am ehesten dunkle, eingekochte, etwas brandige Frucht. Am Gaumen war das zwar ganz OK, aber passte so gar nicht in mein Priorat Bild. Etwas ruppig und die einzelnen Komponenten standen etwas nebeneinander. Säure fehlte mir sehr. So kenne ich den Clos Mogador gar nicht. Kann auch sein dass der Gaumen schon etwas müde war.

La Spinetta, Vigneto Valeirano, Barbaresco, 2009
Das war noch unharmonischer als der Mogador. Das passte gar nix zusammen. Die Nase noch diffuser als sein Flightpartner, ich meine einige Fehltöne wahrgenommen zu haben. Das setztes sich am Gaumen fort. Auch hier muss man sagen dass der Gaumen schon sehr müde war, aber ich möchte den Wein in diesem Zustand nicht bewerten. Der Meinung waren so ziemlich alle am Tisch. Dit war leider nüscht.

Trotzdem war das wieder mal ein sehr spannender Weinabend.
Die BYOB Proben sind für mich immer ein Highlight, da man nie so recht weiß was einen erwartet und die Bandbreite immer extrem hoch ist. Das macht es für mich immer so Interessant. Auch dieses Mal waren wieder aus vielen Teilen der Welt super spannende Sachen dabei.
Vielen Dank an alle!

Gruss
Marko
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Re: Winebank FFM - VKN Querbeet

BeitragDo 27. Feb 2020, 17:56

Schöne Sachen habt ihr da mal wieder verschnabuliert!

Rebholz' Rieslinge (i.b. Kastanienbusch) habe ich erst kürzlich für mich entdeckt, nachdem ich mich länger auf seine Burgunderrebsorten beschränkte. Wäre schön, mal sowas Gereiftes im Glas zu haben. Um Manincor muß ich mal wieder kümmern; liest sich so, als könnte mir das auch jenseits der weißen und des Mason gefallen.

Bei Spinetta bin ich in's Stutzen gekommen: Ich hatte bloß vor 5 Jahren mal den Gallina 2005. Der hat es immerhin auf meine Galerie geschafft.¹ Unter anderem notierte ich "rohes Hirschfleisch; etwas Pferd(estall)". Ich kann mich nicht erinnern, jemals sonst diese Attribute verwendet zu haben. Ansonsten liest sich das bei mir wie ein moderner, kräftiger, aber nicht plumper Wein, komplex, mit schöner Frucht und Würze und sehr lang, bei dem ich nur ob der massiven Tannine leichte Zweifel hatte - Nebbiolo eben. Jetzt habe ich noch eine Flasche Starderi 2005, die ich dann wohl bald mal schlachten muß...

__________
¹ "Die Galerie" ist ein kleiner Sims in meiner Wohnung, auf dem gut zwei Dutzend leere Flaschen in (langsam) wechselnder Zusammenstellung ihren Platz gefunden haben. Das sind in erster Näherung Highlights meiner Säuferkarriere, die nicht mehr nachwachsen, aber manchmal auch "nur" sehr gute Weine, die irgendetwas Besonderes aufweisen.
Besten Gruß, Karsten
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Re: Winebank FFM - VKN Querbeet

BeitragFr 28. Feb 2020, 11:22

Schönes Line-up

Dass Manincors Castel Campan und Tua Ritas Giusto di Notri gut performen - kein Wunder. Beides Topp-Weine ihrer Kategorie und Region. Bei Südtiroler Bordeauxblends, wie Castel Campan, ist jedoch abzuwarten wie diese tatsächlich reifen. Kann nach meiner Erfahrung von Jahrgang zu Jahrgang sehr unterschiedlich ausfallen - werde wohl einen meiner '15 zu Versuchszwecken längere Kellerruhe gestatten. In ihrer Jugend / Fruchtphase sind das oftmals wirklich sehr animierende Fruchtbomben ohne dabei zu übertrieben daherzukommen.

Der La Spinetta Barbaresco klingt für mich nach Flaschenfehler - auch wenn einem der (eher moderne) Stil La Spinettas nicht gefallen muss, so sind diese doch i.d.R. langlebig und trinkbar und zerfallen nicht nach ein paar Jahren Reife.
Grüsse

Ralf
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maha

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Re: Winebank FFM - VKN Querbeet

BeitragFr 28. Feb 2020, 21:38

Den Castel Campan fand ich in dem Stadium einfach großartig. Ich hoffe dass ich einen Jahrgang erwischt habe der gut altern kann. Time will tell.

Der Spinetta hat uns alle etwas auf dem falschen Fuß erwischt (oder wir Ihn? :D ). Ich tippe auch auf einen Flaschenfehler, aber ich kannte den Wein bisher nicht, das war meine erste Begegnung.

Der Mogador ist wohl derzeit in einer pubertären Trinkphase, den hatten wir schon deutlich besser. Vielleicht spendiert uns Simon in ein paar Jahren noch mal eine Konterflasche 8-)

Gruss
Marko
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