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2019 GG vs. 1G - eine Auswahl

Berichte von Verkostungen mit Weinen aus mehreren Ländern/Regionen (sonst bitte im Länderforum einstellen)
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kristof

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Re: 2019 GG vs. 1G - eine Auswahl

BeitragDi 13. Jul 2021, 12:18

Ich kann mich hier eigentlich allen Vorschreibern nur anschließen, was die Bewertung/Einschätzung der Weine angeht. Hier herrschte recht große Einigkeit, so mein Eindruck.

Die hohe Qualität des Wagner-Stempel GG Heerkretz 2015 hat mich überrascht. Ein toller Wein.

Und ein toller Abend. Hat viel Spaß gemacht mit Euch und bei Dir, Michael – danke an alle!
Viele Grüße,

Christoph
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Ollie

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Re: 2019 GG vs. 1G - eine Auswahl

BeitragDi 13. Jul 2021, 14:48

Dann noch eine kurze Zusammenfassung von mir:

- Die 1Gs sind durch die Bank recht signifikant schwächer als die 1GGs; allenfalls der Halgans setzte den Halenberg anfangs unter Druck, hielt für mich letztlich aber den gebührenden Abstand ein (auch stilistisch, s.u.) - v.a. weil der Halenberg mit Luft immer besser wurde. Es gilt also die alte Binse: In großen Jahren kleine Weine. Speziell der wackere Seehof verdiente sich das Eichenlaub in Gold, für eine Handvoll Dollar mehr bläst der bequem die 1Gs der Eliten vom Tisch, wenn die mal einen schlechten Tag haben.

- Die Morsteins waren durch die Bank sehr schön und charaktervoll, ganz zu Recht ist der Morstein eine Ganz Große Lage. Der 2010er Wittmann ist in der Tat spektakulär, der ganz große Dampfhammer, das muss man respektieren. Erstaunlicher Ausreißer nach oben? Bemerkenswert das Thema "Karamell"; ich mag sowas gar nicht, aber hier hat's mal gepasst, weil der Wein den Körper mitgebracht hat.

- Keller wie so oft mit performance anxiety.

- Die Schäfer-Fröhlichs schwach, aber nicht enttäuschend, eher bestätigend.

- Meine echten Lieblinge aber waren der 2015er Heerkretz von W-S und der 2019er Halenberg von E-S. Gerade der 2015er mit der jahrgangstypischen und bei aller Konzentration nie wieder erreichten aromatische Brillianz (kein Karamell) und Saftigkeit, noch sehr mittig, aber das wird ganz toll. Der Halenberg noch zugeknöpft, die Phenolik recht (noch?) ausgeprägt, aber klassisches GG mit viel Kraft und Dichte, tolle Säure, dennoch leichter Süßeeindruck.

Zur Frage 1G vs GG: Für 20 Euro sind die 1Gs wohl angemessen bepreiste Rieslinge, aber kaufen würde ich sie mir aus folgenden Gründen trotzdem nicht: 1. Sie sind kein Substitut für das GG, dazu fehlt ihnen der "semaphorische Charakter", also die Aussagekraft "Ich bin ein GG, aber in klein". Sogar der Halgans war am Ende deutlich genug anders als der Halenberg. 2. Es gibt ums selbe Geld interessantere Rieslinge in Deutschland auf dem selben Niveau und teilweise drüber. 3. Es gibt ums selbe Geld deutlich interessantere Nichtrieslinge.

Mein Fazit ist eher ein anderes: Solange Wagner-Stemper und Emrich-Schönleber mit ihren hochverfügbare GGs 95-Prozent-plus-Lösungen anbieten, braucht's keine teureren GGs.

Cheers,
Ollie
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Bibbel

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Re: 2019 GG vs. 1G - eine Auswahl

BeitragDi 13. Jul 2021, 17:14

Keller wie so oft mit performance anxiety.

Und das bedeutet? Bitte um Aufklärung für einen Anglizismenallergiker.
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Ollie

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Re: 2019 GG vs. 1G - eine Auswahl

BeitragDi 13. Jul 2021, 17:56

Lampenfieber.

Ich habe ganz, ganz selten Weine von Keller erlebt, die so performt haben, wie man (ich?) es aufgrund des Rufs des Weinguts erwartet hatte: Die Weine waren ganz gut, manchmal sogar sehr gut, aber nie jenseits allen vernünftigen Zweifels groß (und schon gar nicht: jenseits von Wittmann). Stattdessen wirkten sie gehemmt - wie gesagt, gemessen am Bohei, der um sie gemacht wird. (Den sich aufdrängenden Schluss, daß sie halt nicht so gut sind, wie man sagt, oder daß das Weingut nicht so konsistent ist, wie man es erwarten können müsste, wage ich noch nicht zu ziehen.)
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jessesmaria

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Re: 2019 GG vs. 1G - eine Auswahl

BeitragDi 13. Jul 2021, 18:14

Ollie hat geschrieben:2. Es gibt ums selbe Geld interessantere Rieslinge in Deutschland auf dem selben Niveau und teilweise drüber.


Welche denn?
Heißt das, man muss wie Bernd grundsätzlich VDP-Winzer meiden, wenn man nicht immer nur 30, 40 oder mehr € pro Flasche ausgeben will?

Und würde man nicht bei anderen Rebsorten ähnliche Ergebnisse einfahren? Angenommen, man würde Spätburgunder verschiedener deutscher Top-Weingüter vergleichen, jeweils Preisklasse 15 und 30–50€. Wahrscheinlich würden die teuren Weine auch durch die Bank besser abschneiden, ist ja logisch, wenn das (ggf. weniger als) halb so teure Vergleichsobjekt jeweils vom gleichen Winzer ist.
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Bernd Schulz

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Re: 2019 GG vs. 1G - eine Auswahl

BeitragDi 13. Jul 2021, 18:47

jessesmaria hat geschrieben:Heißt das, man muss wie Bernd grundsätzlich VDP-Winzer meiden, wenn man nicht immer nur 30, 40 oder mehr € pro Flasche ausgeben will?


Damit es keine Missverständnisse gibt: Kategorisch meide ich VDP-Winzer nicht! Ich habe noch im Juni 6 Flaschen Scheurebe von Pfeffingen bestellt (und das nicht bereut). Allerdings meide ich 1. Gewächse..... :mrgreen:

Herzliche Grüße

Bernd
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jessesmaria

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Re: 2019 GG vs. 1G - eine Auswahl

BeitragDi 13. Jul 2021, 19:06

Bernd Schulz hat geschrieben:Damit es keine Missverständnisse gibt: Kategorisch meide ich VDP-Winzer nicht! Ich habe noch im Juni 6 Flaschen Scheurebe von Pfeffingen bestellt (und das nicht bereut). Allerdings meide ich 1. Gewächse..... :mrgreen:


Sorry, dann hatte ich dich falsch verstanden. ;)
Da du mir aber neulich schriebst, dass du lieber einen Lagenwein eines nicht VDP-Winzers anstelle eines fast oder ebenso teuren Gut- oder Ortweins eines renommierten VDP-Winzers kaufst, bleiben dann aber nur noch Nicht-Rieslinge übrig, richtig?
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Bernd Schulz

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Re: 2019 GG vs. 1G - eine Auswahl

BeitragDi 13. Jul 2021, 19:14

jessesmaria hat geschrieben:Da du mir aber neulich schriebst, dass du lieber einen Lagenwein eines nicht VDP-Winzers anstelle eines fast oder ebenso teuren Gut- oder Ortweins eines renommierten VDP-Winzers kaufst, bleiben dann aber nur noch Nicht-Rieslinge übrig, richtig?


Im Wesentlichen ist das richtig - bei einem fränkischen VDP-Weingut, dessen Erzeugnisse hier nicht unumstritten waren, habe ich im letzten Jahr Müller-Thurgau und Silvaner, aber keinen Riesling gekauft (und das wieder ohne Reue)...... ;)

Trotzdem kam es in den letzten Jahren manchmal (selten) vor, dass ich aus lauter Neugier einen VDP-Gutsriesling erworben habe. Richtig begeistert davon war ich aber kaum; ein Nachkaufreflex hat sich, soweit ich mich erinnern kann, in keinem einzigen Fall eingestellt.

Herzliche Grüße

Bernd
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amateur des vins

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Re: 2019 GG vs. 1G - eine Auswahl

BeitragSo 25. Jul 2021, 19:01

So, es ist an der Zeit, hier mal wieder ein bißchen Leben reinzubringen... :ugeek:

Heute habe ich ein weiteres Pärchen aufgezogen, und ich kann jetzt schon sagen, daß das eines der interessantesten des Threads ist. Demnächst mehr in diesem Theater.

/Cliffhanger... :P

Derweil: Ollies Fazit aus der Probe bei mixalhs kann ich im großen und ganzen zustimmen. Ob ich jedoch für mich selber wirklich den Schluß ziehen werde, lieber 50+ anstatt 20 Taler auf den Tisch legen zu wollen, lasse ich noch ein wenig offen...
Besten Gruß, Karsten
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EThC

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Re: 2019 GG vs. 1G - eine Auswahl

BeitragSo 25. Jul 2021, 20:51

amateur des vins hat geschrieben:/Cliffhanger... :P
...fiese Möpp :!: :twisted:
Viele Grüße
Erich


NOVINOPHOBIE ist die Angst davor, daß der Wein ausgeht...
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