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Chianti (in allen Variationen)

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OsCor

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSo 20. Dez 2020, 12:15

Bei den letzten Beiträgen im Faden „Alle Jahre wieder, kocht das Christuskind…” ist bei mir eine mundwässernde Erinnerung an Spaghetti mit … plus Chianti aus dem Fiasco aufgetaucht.
Wenn man diesen Faden hier mal quer liest, bekommt man sehr schnell das Gefühl, dass diese alten Zeiten unwiederbringlich vorbei sind. Ich habe absichtlich nicht „gute alte Zeiten” geschrieben, aber irgendwie waren sie das in meiner Erinnerung schon: Rotwein, der nicht nach Spätburgunder schmeckte und der auch nicht dünn und nicht süß war.
Die Erinnerung hat mich dann auf die Seiten von Vinocentral getrieben und da bin ich - nachdem ich das Angebot durch Preisfilterung etwas in meine gewünschte Richtung gesiebt hatte - bei einem Chianti auf eine Verkostungsnotiz gestoßen, die diesen explizit in diese alten Zeiten verortete.
Mein Bild der hier schreibenden Weinliebhaber ist sehr vielfältig und gelegentlich freut es mich, wenn eingestanden wird, wie man an einem einfachen Wein seine Freude gehabt hat. Deshalb denke ich, dass ich nicht gesteinigt werde, wenn ich hier frage, ob es sowas Bodenständiges noch gibt.

Gruß
Oswald
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EThC

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSo 20. Dez 2020, 13:37

OsCor hat geschrieben:Deshalb denke ich, dass ich nicht gesteinigt werde, wenn ich hier frage, ob es sowas Bodenständiges noch gibt.

Nö, sicher nicht! :lol:

Spontan fiel mir dazu ein, daß es da mal vor einiger Zeit einen WRINT-Podcast dazu gab, an dem ich selbst aber nicht teilgenommen habe. Hier die Vorstellung mit Bezugsquelle:

https://originalverkorkt.de/2019/10/wri ... i-spezial/

und hier der Podcast selbst:

https://wrint.de/2019/10/24/wr1005-chianti/
Viele Grüße
Erich


NOVINOPHOBIE ist die Angst davor, daß der Wein ausgeht...
https://ec1962.wordpress.com/
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Holzfass

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSo 20. Dez 2020, 14:57

OsCor hat geschrieben: Mein Bild der hier schreibenden Weinliebhaber ist sehr vielfältig und gelegentlich freut es mich, wenn eingestanden wird, wie man an einem einfachen Wein seine Freude gehabt hat. Deshalb denke ich, dass ich nicht gesteinigt werde, wenn ich hier frage, ob es sowas Bodenständiges noch gibt.


Hallo Oswald, suchst du jetzt explizit nach Chianti aus dem Fiasco oder nach einem bodenständigen Essensbegleiter?
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OsCor

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSo 20. Dez 2020, 15:37

Einfach gesagt: Ich suche nach etwas Bodenständigem, das so schmeckt wie damals der Chianti aus dem Fiasco. Also der Bast muss nicht unbedingt sein, auch wenn es das Ambiente vielleicht verbessern würde :-)
Achso: Die Obergenze habe ich mir bei ca. 15 € gesetzt und gedacht, das müsste doch machbar sein. Was ich natürlich nicht weiß: Wer ist denn so alt hier, dass er in den späten 70-ern schon Alkohol trinken durfte - und deshalb weiß, wie das geschmeckt hat?

Gruß
Oswald
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Lars Dragl

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSo 20. Dez 2020, 17:39

Hallo!

Vielleicht mal mit Badia a Coltibuono CCL 18 versuchen.

Kenne den Jahrgang zwar nicht, aber er soll ganz gut sein. Zumindest bekam der Wein sehr gute Kritiken, ist ein traditioneller CCL und durchaus bezahlbar.

Grüße

Lars
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Holzfass

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSo 20. Dez 2020, 18:41

OsCor hat geschrieben:Einfach gesagt: Ich suche nach etwas Bodenständigem, das so schmeckt wie damals der Chianti aus dem Fiasco. Also der Bast muss nicht unbedingt sein, auch wenn es das Ambiente vielleicht verbessern würde :-)
Achso: Die Obergenze habe ich mir bei ca. 15 € gesetzt und gedacht, das müsste doch machbar sein. Was ich natürlich nicht weiß: Wer ist denn so alt hier, dass er in den späten 70-ern schon Alkohol trinken durfte - und deshalb weiß, wie das geschmeckt hat?


Ok, also die Chiantis der späten 70er kenne ich tatsächlich nicht. Für 15€ bekommst du aber auch schon anständige Riservas (z.B Nipozzano von Frescobaldi bei Ronaldi), Annata sowieso. Ich vermute aber, die damaligen Fiasco-Chiantis waren vielleicht sogar etwas einfacher (bodenständiger) gestrickt. Was könnte man da empfehlen? Vielleicht die Einsteiger-Chiantis bei Belvini, da gibt's sogar Fiascos ;) . Ich meine mich zu erinnern, dass ich mal Chianti von Cantina Vini Tipici dell' Arentino hatte, den ich in die Kategorie "ehrlich-bodenständig" gesteckt hatte. Also ein akzeptabler Essensbegleiter, der nix anderes sein will. Chiantis von 10-15€ sind die von mir mit Abstand am meisten getrunkenen Weine. Eigentlich immer (zumindest auch) als Essensbegleiter. Wenn du da noch Vorschläge brauchst, sehr gerne.
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UlliB

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSo 20. Dez 2020, 19:01

OsCor hat geschrieben: Wer ist denn so alt hier, dass er in den späten 70-ern schon Alkohol trinken durfte - und deshalb weiß, wie das geschmeckt hat?

Ich.

Und ich denke, dass ich ziemlich genau verstehe, was Du meinst - nur hilft das nicht wirklich.

Üblicherweise würde ich bei einem solchen Wunsch in den nächsten Supermarkt gehen und ein paar Weine in der fünf-Euro-Klasse mitnehmen. Bei manchen Weinen (z.B. Bardolino oder Valpolicella) funktioniert das auch ganz gut, die schmecken in dieser Kategorie immer noch wie anno dunnemals, bei Chianti aber nicht, weil der auch in dieser Qualitätsstufe mittlerweile sehr stark "internationalisiert" und kommerzilell weichgespült wurde.

Ein paar Regeln kann man aufstellen:
- ausschließlich klassische Sorten: Sangiovese, evtl. kleine Anteile Canaiolo und Colorino, kein Merlot und/oder Cabernet, diese auch nicht in geringen Anteilen;
- Ausbau ohne Neuholz, kein Barrique, nur großes gebrauchtes Holz,
- eher knappe Traubenreife, maximal 12 oder 12,5% Vol.

In diese Kategorie fallen durchaus einige Weine, auch solche von bekannten Edelbetrieben, aber bei denen wird die Reife mittlerweile auch recht hoch getrieben und die Weine sind deutlich polierter als das, was Du im Kopf hast.

Der Tipp mit Badia a Coltibuono ist sicherlich gut, weil die Weine hier eher schlank sind - aber ich vermute auch hier, dass der einfach zu "edel" ist. Vielleicht hat der user olifant einen Tipp, dem würde ich diesbezüglich am meisten vertrauen.

Gruß
Ulli
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OsCor

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSo 20. Dez 2020, 19:47

Ulli, das hilft mir mehr als du glaubst: Zu wissen, wonach man Ausschau halten muss.
Ich habe in den letzten Jahren immer mal wieder Chianti in der Preisklasse von 7 bis 10 € probiert - meist beim örtlichen ED… Glücklich war ich bei keinem, auch nicht bei denen von Antinori, ich hatte da nie auch nur ansatzweise einen Déjà-bu-Effekt.
Aber mit deinen Bestandteils-Angaben kann ich mal beginnen (im Weinhandel oder auf der Hersteller-Website sind eventuell Angaben erhältlich) und Holzfass u.a. haben Quellen genannt, die zu testen sich sicher lohnt.

Vielleicht hätte ich die Änderungen bei Chianti-Weinen eher bemerkt, wenn nicht ein Italiener in den 80-er Jahren mal zu mir gesagt hätte, Italiener tränken Bier zur Pizza. Das scheint ja heute noch so zu sein. Beim Suchen habe ich gerade auf einer italienischen Seite die folgende Überschrift gefunden: Pizza e birra: il connubio più scelto dagli italiani

Gruß
Oswald
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glauer

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSo 20. Dez 2020, 20:09

Das ist jetzt nicht sehr hilfreich, aber ich glaube das findet man am einfachsten noch vor Ort wenn man irgendwo anhält wo an der Winzertür kein Gambero Rosso oder Slowfood Schild hängt. Mir fehlen sie auch, die deutlich rustikalen und säurebetonten Chiantis. Zu einfachem Essen sind die oft ganz herrlich.
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UlliB

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSo 20. Dez 2020, 20:22

OsCor hat geschrieben:[...] wenn nicht ein Italiener in den 80-er Jahren mal zu mir gesagt hätte, Italiener tränken Bier zur Pizza. Das scheint ja heute noch so zu sein.

Ja, nach eigener Boeobachtung ist das so. Wenn man in Italien in eine Pizzeria geht, die von Touristen nicht völlig überlaufen ist (was sich eigentlich immer lohnt, wenn man denn Pizza überhaupt mag), trinken die Italiener da so gut wie immer Bier. Wenn der Laden was auf sich hält, ist das dann nicht die fiese italienische Plörre, sondern irgend ein deutsches Bier (gelegentlich aber auch mal Kronenbourg oder Heineken).

Das Lustige daran ist, dass Bier in Italien mit Ausnahme von Südtirol (was ja aber auch nur Fake-Italien ist ;) ) ausgesprochen teuer ist. Da zahlt man für zwei Halbe schon mal mehr als für einen Liter vom Hauswein, der häufig wirklich gut ist - auch wenn man dann nicht genau weiß, was es denn eigentlich ist. In der Toskana könnte es wohl genau das sein, wonach Du suchst - nur wird das dann nicht in Flaschen gefüllt, sondern lose an die lokale Gastronomie vertrieben.

Gruß
Ulli
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