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Bordeaux 2019

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
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Ollie

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Re: Bordeaux 2019

BeitragFr 29. Jul 2022, 19:05

Ah, ok, die Jahrgänge vor 2018 kenne ich wie gesagt nicht, DV blieb auch unter meinem Radar.

Leider habe ich es noch nicht geschafft, Ferrière ins Glas zu bekommen, deswegen kann ich dir auch nichts zur Familienähnlichkeit sagen. Wenn aber alles gut geht, habe ich dazu sehr bald Gelegenheit, dann kann ich es dir sagen. :P Immerhin sieht Kelley den Ferrière nur einen Punkt hinter DV (den ich so sehe wie er), das wäre also schon eine Ansage...

Cheers,
Ollie
Lieber guten Wein als gute Vorsätze.
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Jochen R.

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Re: Bordeaux 2019

BeitragFr 29. Jul 2022, 22:00

Tomschki hat geschrieben:... Hat jemand hier noch unbedingte Kaufempfehlungen. Nachgekauft habe ich bereits Larcis Ducasse (ziemlicher Geheimtipp in 2019), Gazin und Petite Eglise. Puy Lacoste müsste man wohl noch haben (gibts in der CH noch für 65.- CHF) und was sonst?

Danke und Gruss
Thomas

Hallo Thomas,
vor 2,5 Std. hätte ich gesagt, GPL müsste man eigentlich nicht unbedingt
haben - aber das scheint wohl schon ein hervorragender Wein zu sein, der
halt viel (!!) Luft oder eben Zeit im Keller braucht. Würde ich mir erst mal
eine Testflasche rauslassen ;-)

Viele Grüße,
Jochen
Belgrave ist nichts für Unschuldige
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sorgenbrecher

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Re: Bordeaux 2019

BeitragSa 30. Jul 2022, 15:05

Gestern habe ich im direkten Vergleich über viele Stunden hinweg La Mission Haut Brion zusammen mit Haut Brion getrunken.
Es bestätigt sich, dass die 2019er aktuell mit viel Luft aufdrehen, über Stunden hinweg zulegen und sich nicht verschließen. Beide Weine sind exzellent gelungen, der LMHB ein Kraftpaket, dunkel, mineralisch, rauchig mit massivem Holzeinfluss. Das ist aktuell etwas zuviel von allem, ich habe aber keine Zweifel, dass sich das mit langer Lagerung sehr gut zusammenfügt. 95+
HB liegt im direkten Vergleich klar vorn, der Wein hat aktuell mehr Spannung und Finesse, ist differenzierter und deutlich weniger vom Holzeinfluss maskiert. Sehr klar und präzise, ein wirklich großer Haut Brion. 98+
Gruß, Marko.
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Chrysostomus

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Re: Bordeaux 2019

BeitragFr 5. Aug 2022, 13:07

Ich kann mich den Vorpostern (Sorgenbrecher und einige Tage davor auch Alba) nach weiteren Verkostungen vollinhaltlich anschließen - meine Feststellungen zu 2019 (ich vergleiche für mich die Arrivage hier mit der Arrivage 2018):

- 2019 ist sicher ein großer Jahrgang für die Zukunft, hat aber derzeit noch durchwegs viel Babyspeck auf den Hüften
- 2018 waren einige Weine schon in der ersten Phase durchaus komplex und ausgezeichnet (verkostet zB Pichon Baron, Phelan Segur, Labegorce, Marquis de Calon, Marquis d'Alesme, Leoville Poyferre, Capbern, Dalem, Sansonnet...) Alkohol durchwegs schön eingebunden, meist keine störende Hitze, allerdings sind viele der Weine schnell in den Verschluss gegangen (schon in der 2.Hälfte 2021! - wer erst im/nach dem Sommer 2021 geliefert bekommen hat, hat teilweise positive Überraschungen versäumt...)
- 2019 "hält" sich, was den Verschluss betrifft, deutlich besser, es fehlt für mich aber gegenüber 2018 an der Komplexität in der ersten Phase (diese kommt aber sicher noch mit Zeit- man merkt das auch daran, dass die Weine mit Luft und am 2.Tag deutlich gewinnen, was 2018 in dieser Form nicht sooo deutlich der Fall war)
- die Unterschiede zwischen den Weinen waren für mich 2018 auch besser auszumachen, 2019 kommt hier etwas homogener daher. Die Weine wirken 2019 untereinander sehr ähnlich, Beispiele dazu weiter unten...

Ich kann, wie gesagt, nur meine persönlichen Eindrücke schildern - mag sein, dass der eine oder die andere völlig andere Erkenntnisse gewonnen hat.

zuletzt verkostet:

Laroque 2019: deutlich rotbeerig im Duft, etwas Wärme spürbar. Dieser Eindruck erhärtet sich leider im Geschmack. Preiselbeerkompott würde ich hier finden, auch grüne Oliven (Geruch). Insgesamt, wie von Manfred (Alba) schon geschrieben, ein derzeit noch eher "flacher", eindimensionaler Eindruck, ohne den Wein schlecht reden zu wollen. Der Alkohol ist hier, im Gegensatz zu den unten stehenden Weinen, deutlicher zu spüren. 89/100
La Dame de Montrose 2019: im Vergleich zu Laroque der komplexere Wein, macht deutlich mehr Spaß. Der Cabernet-Anteil kann hier seine Vorzüge schon ausspielen, offensichtlich gelingt das dem Merlot (beim Laroque) noch nicht. Wir waren uns in der Runde einig: hier kommt etwas wirklich Schönes in Zukunft! 92/100
Grand Puy Lacoste 2019: Verspricht, typisch für 2019, viel für die Zukunft, es ist die "Frucht-Wucht" des Jahrgangs vorhanden, die Pauillac-Typizität blieb mir jedoch verschlossen. Alkohol gut eingebunden, keinerlei "Hitze", aber noch etwas eindimensional...Wirkt der Dame dM noch sehr ähnlich. 92/100
Marquis de Calon Segur 2019: Hier hat der 2018er die Nase vorne (was man auch vom Erstwein behauptet), wobei der Vergleich wahrscheinlich hinkt. Der MdCS 2018 ist vielleicht der P/L-Wein des Jahrgangs, auf CT überschlagen sich (aus meiner Sicht zu Recht) diesbezüglich die Lobeshymnen. 2019 kommt auch beim MdCS etwas flacher, wenn auch jahrgangstypisch mit immens viel Frucht daher. Die Komplexität und den Blumenkorb an filigranen Düften des 2018er lässt er noch vermissen. 91/100
Fleur Cardinale 2019 war auch vor einiger Zeit dabei, ich hab aber auf Notizen vergessen und kann nur sagen, dass er solide war, besser als Laroque, gutes P/L-Verhältnis

Wie man an der subjektiven Bewertung erkennt, ist das alles Jammern auf hohem Niveau und ich habe noch nicht die 1. oder 2. Reihe der Weine angegriffen (denen gebe ich lieber mehr Zeit). Die Kraft der Weine ist schon jetzt erkennbar, sie brauchen aber sicherlich einige Zeit, um an Komplexität, Terroireigenheit und Spannung zu gewinnen. Dann werden auch die Punkte steigen....aber war das nicht bei den meisten Jahrgängen so...?
Schöne Grüße, Markus
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Jochen R.

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Re: Bordeaux 2019

BeitragFr 5. Aug 2022, 17:04

Hallo Markus,
danke für die Eindrücke! Darf ich fragen, woran du es festmachst,
dass der GPL ´19 viel für die Zukunft verspricht? Die "Frucht-Wucht"?
Chrysostomus hat geschrieben:...
Grand Puy Lacoste 2019: Verspricht, typisch für 2019, viel für die Zukunft, es ist die "Frucht-Wucht" des Jahrgangs vorhanden, die Pauillac-Typizität blieb mir jedoch verschlossen. Alkohol gut eingebunden, keinerlei "Hitze", aber noch etwas eindimensional...Wirkt der Dame dM noch sehr ähnlich. 92/100
...

Ich hatte den Wein vor ein paar Tagen im Glas und fand ihn wie du
(am Gaumen (!!) erschreckend) eindimensional auf der Frucht - der
Funke wollte irgendwie nicht überspringen, das hätte in der Tat alles
mögliche sein können.
Halbwegs versöhnt hat der Naseneindruck: zwar recht verhalten, aber
doch über Stunden eine sehr schöne Entwicklung und ich habe mir
"feines Pauillac-Parfum" notiert.

Viele Grüße,
Jochen
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Olaf Nikolai

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Re: Bordeaux 2019

BeitragFr 5. Aug 2022, 23:14

Der GPL 19 ist bei mir durchs Rost gefallen.....und das obwohl das Chateau seit wohl weit über 20 Jahren zu meinen Lieblingen zählt. Einfach zu kurz gesprungen. Monolithisch, festgefügt... aber in der Summe zu wenig aufregend, gewissermaßen langweilig.
Da präsentierten sich beide Pichons, Lynch Bages aber auch Batailley ep einfach sexier, überzeugend interessanter.
Empfehlung: Stattdessen Nachkauf vom 10er, 14er und 16er GPL. Meine 2ct.
Sollte es in 19 zwingend ein Pauillac sein, hat man unter Berücksichtigung des PLV mit dem Kauf vom Batailley sicher nichts falsch gemacht.
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Chrysostomus

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Re: Bordeaux 2019

BeitragSa 6. Aug 2022, 13:26

Jochen R. hat geschrieben:Hallo Markus,
danke für die Eindrücke! Darf ich fragen, woran du es festmachst,
dass der GPL ´19 viel für die Zukunft verspricht? Die "Frucht-Wucht"?


Hallo Jochen!
Zugegeben, alles sehr subjektiv und ich kann nicht hellsehen. Für mich deshalb, da die Frucht eben da ist und die tertiären Aromen sich ja erst nach Jahren dazu gesellen. Ich "verspreche" mir dennoch viel für die Zukunft, weil in meiner Erfahrung eben genau diese Weine, die Anfangs warm und überladen wirkten, oft gerade nach vielen Jahren dieses Rückgrat brauchten, um sich von schwächeren Jahrgängen zu unterscheiden, die zwar mit schönem filigranem Duft in der Nase, aber kaum vertikalem Druck am Gaumen daher kommen. Aber wie gesagt: alles subjektiv und für MEINEN Gaumen meiner bescheidenen Erfahrung nach zu erwarten. Aber Versprechen wurden ja auch in der Vergangenheit schon das eine oder andere Mal gebrochen...
Schöne Grüße, Markus
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Jochen R.

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Re: Bordeaux 2019

BeitragSa 6. Aug 2022, 14:37

Danke Markus für die Rückmeldung!
Ich hatte GPL noch nie so jung im Glas, somit ist die
Erfahrung mit früheren Jahrgängen sicherlich hilfreich.
Anlagen sind zweifelsohne vorhanden.

Viele Grüße,
Jochen
Belgrave ist nichts für Unschuldige
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amateur des vins

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Re: Bordeaux 2019

BeitragSa 6. Aug 2022, 21:24

Die vorübergehende Abkühlung habe ich gerne zum Antesten von 2019ern genutzt.
Den Anfang machte

Durfort-Vivens 2019

Die Robe ein mitteldichtes Bordeauxrot mit nur leichter Purpurtendenz.
In der Nase vorwiegend blaues (und ein wenig schwarzes) Fruchtprofil, sehr klar konturiert. Erkennbar Holz, "aber guuut!™ (Ollie)" (d.h. weder vanillig noch kokelig). Eine Spur fleischig. Dezente schwarze Würze (Wacholder, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer, aber ohne die Schärfe). Insgesamt reifer, nicht molliger, aber auch nicht wirklich kühler Charakter.
[+10'] Am Gaumen mittelgewichtig. Hier zusätzlich zu allen Eindrücken der Nase etwas Schwarzwälder Kirsch (jedenfalls etwas Schwarzkirsch und Wälder ein Hauch Bitterschokolade). Mittelkräftige, fein- bis mittelkörnige Tannine, unauffällig lebendige Säure. Samtig-seidige Textur, die exzellent meine Margaux-Clichés abbildet.
Laaanger Abgang mit sehr feiner animierender Bitternote neben anhaltender Schwarzkirsche.

Durfort hatte ich nicht wirklich auf dem Schirm und auch nicht subskribiert, aber die Anpreisungen als The Next Big Thing lassen sich ja nicht überlesen. Also habe ich mir diese Probeflasche zwecks Überprüfung besorgt. Was kann ich sagen: Believe the Hype!

Weil ich beschloß, die Flasche Durfort verdiene es, nicht am Stück heruntergespült zu werden, öffnete ich als "Entsatz" den noch zum Arrivage-Test ausstehenden

Gruaud-Larose 2019

Mitteldichtes Purpurrot.
Fleischige Nase mit diffusem Fruchtprofil; vielleicht blau/dunkelrot, aber schwer zu sagen. Leicht ätherisch (Basilikum, Rosmarin).
Am Gaumen mittelkräftige (+), mittelkörnige Tannine und unauffällige, ausreichende Säure. Wieder diffuse Aromatik mit schwarzen Gewürzen.
Im Abgang leicht bis mäßig, aber deutlich bitter (etwas kokelig).

Das sind beides sehr gute, balancierte Weine. Der Durfort brilliert mit seiner seidigen Transparenz, Präzision und Frische. Der Gruaud ist da deutlich rustikaler (aber kein Vergleich zu früheren Brett-Zeiten!) und v.a. etwas "muschelig". Für mich hat der Durfort die Nase vorn. Da zudem noch der Gruaud 20% mehr kostet, ist der Favorit zwischen den beiden schnell gefunden.

Mal schauen, wie sie sich morgen zeigen...
Besten Gruß, Karsten
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willinger1

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Re: Bordeaux 2019

BeitragSo 7. Aug 2022, 10:29

Hallo,

gestern mein erster 2019er..

Pavie Macquin

Im Glas ein tiefes, dunkles und fast blau- schwarzes Rot. In der Nase dunkle Frucht mit Kirsche, ein Hauch Tabak und Leder.
Am Gaumen wieder vor allem Kirschfrucht mit einer Spur Kirschlikör, sehr druckvoll und dicht mit hohem Extrakt. Sehr feines Tannin, nur der Alkohol noch etwas spürbar. Sehr schöner, langer Abgang.
Toller Wein mit viel Potential!
Jetzt trinken oder besser 5-8 Jahre warten.


Direkt aus dem Keller und P&P. Hat sich nach etwa 2 Stunden im Glas weiter geöffnet und wurde runder. Der doch hohe Alkohol ist erkennbar aber sehr gut integriert. Hat auch in der frühen Phase sehr viel Genuss bereitet und war noch nicht verschlossen.

Fritz
Zuletzt geändert von willinger1 am So 7. Aug 2022, 15:03, insgesamt 1-mal geändert.
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